Seit Wochen wird bundesweit über die Verschärfung der Gesetze zum Alkoholausschank diskutiert. Vor allem Flatrate-Partys, bei denen Kneipengänger zum Pauschalpreis so viel sie wollen trinken dürfen, gerieten in die Kritik. Die Bundesregierung lehnte jedoch erst am Mittwoch erneut schärfere Gesetze ab. Mit dem Tod des aus dem wohlhabenden Berliner Bezirk Zehlendorf stammenden Schülers werden jetzt vermehrt Stimmen laut, die den leichtfertigen Umgang mit Alkohol als Problem der gesamten Gesellschaft sehen.
Eine Obduktion solle die genaue Todesursache klären, sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Untersucht wird außerdem, ob andere Lokalbesucher oder der Wirt für den Tod des Jugendlichen mitverantwortlich sind, weil sie ihn nicht vom Trinken abgehalten haben. Laut Gesetz dürfen Bier, Wein und Sekt nicht an unter 16-Jährige, branntweinhaltige Getränke nicht an unter 18-Jährige abgegeben werden. Außerdem ist es Wirten nicht erlaubt, offensichtlich Betrunkenen weiter Alkohol auszuschenken.
Der Tod des Gymnasiasten lenkt den Blick auf einen neuen Aspekt in der Debatte. Tatsächlich stammen viele der minderjährigen Trinker aus sozial höheren Schichten, wie die Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin mitteilte. Die meisten Kinder und Jugendlichen, die im Jahr 2005 wegen einer Alkoholvergiftung behandelt wurden, kamen aus Pankow und Steglitz-Zehlendorf. Aus den Problemkiezen Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg kamen die wenigsten.
"Der Leistungsdruck hat in den letzten Jahren zugenommen", sagte der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann der Tageszeitung "taz". Am Wochenende wollten die Jugendlichen diesem Druck innerhalb von Minuten entfliehen.
Damit sind die jungen Menschen nicht allein. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, starben in Deutschland 2005 mehr als 16 000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Das waren mehr als durch Selbstmord und Verkehrsunfälle zusammen. Damit steht die Bundesrepublik beim Alkoholkonsum auch im Vergleich der Industrieländer mittlerweile mit an der Spitze - jeder Bundesbürger kommt auf zehn Liter reinen Alkohols pro Jahr.
"In einer Gesellschaft, in der man Alkohol trinkt, sollte man nicht so tun, als ob man Jugendliche tatsächlich so lange davon fern halten könne, bis es ihnen das Gesetz erlaubt", sagte Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). "Wir haben es mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun, dass uns sehr besorgt und dem nur durch die langfristige Zusammenarbeit von Elternhaus, Schule, Politik und Öffentlichkeit begegnet werden kann", hieß es in einer Erklärung des Gymnasiums.