Berlin. Bagger wummern um die Wette, riesige Kräne ragen hinter Bauzäunen hervor, und eine große Baugrube reiht sich an die nächste. Berlins historische Mitte hat seit Monaten ungefähr so viele Baustellen wie Museen - und das wird auch 2013 so bleiben. Zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor, der rund 2,5 Kilometer langen Standard-Route für jeden Berlin-Besucher, werden millionenteure ober- und unterirdische Bauprojekte umgesetzt: Bauarbeiter verlängern eine U-Bahn-Trasse, bauen das Schloss wieder auf, sanieren die Staatsoper - und lassen ein weiteres Einkaufszentrum entstehen.

"Achtung Lückenschluss. Mind this gap!" heißt es auf Dutzenden Bauzäunen. Hinter ihnen wird für die Verlängerung der U 5 gebuddelt. Baugruben klaffen neben dem Nikolaiviertel sowie an der Museumsinsel und der viel befahrenen Kreuzung Unter den Linden / Friedrichstraße. Die Baustelle heißt auch Schaustelle: Webcams übertragen das Baugeschehen ins Internet, und ein 6,50 Meter hoher Aussichtsturm am Nikolaiviertel erlaubt einen Blick hinter den Zaun. Motto: "Komm'se rauf, könn'se reingucken."

Vom Frühjahr an wird sich eine riesige Bohrmaschine durch den Untergrund fräsen, wie BVG-Sprecher Klaus Wazlak ankündigte. Ein Kran wird die in Einzelteile zerlegte Maschine in einen tiefen Schacht gegenüber der Schlossbaustelle versenken. Dann wird der "stählerne Maulwurf" zusammengesetzt, bevor er zwei Tunnel-Röhren von Ost nach West gräbt. "Die Tunnel entstehen 15 bis 20 Meter unter der Spree", so Wazlak. "Es ist eine der tiefsten U-Bahn-Baustellen, die wir je hatten"

Einheimische und Touristen müssen seit Monaten Schmutz, Lärm und Umwege in Kauf nehmen. Für den Bau des Kreuzungsbahnhofes an der Friedrichstraße / Unter den Linden wurde die U 6 zwischen Friedrichstraße und Französischer Straße unterbrochen - noch bis Oktober 2013. Mit einer Klage gegen den Baulärm an der U-Bahn-Baustelle scheiterten mehrere Geschäftsleute vor dem Bundesverwaltungsgericht. Gebaut werde oberirdisch noch bis 2017, unterirdisch bis 2019, erläuterte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). "Dass das schneller geht, kann man nicht versprechen. Wenn man eine U-Bahn baut oder in der Invalidenstraße eine Straßenbahn, merkt man das", so der Senator.

433 Millionen Euro soll die Tunnelstrecke kosten. Wenn alles nach Plan läuft, fährt die U 5 ab Sommer 2019 zwischen "Alex" und Brandenburger Tor und befördert täglich bis zu 155 000 Fahrgäste. Für sie soll es dann an der Strecke eine weitere Attraktion geben: das Berliner Stadtschloss, Deutschlands derzeit größtes und lange umstrittenes Kulturprojekt, für das 590 Millionen Euro veranschlagt sind.

Im Mai soll der Grundstein für den Wiederaufbau des Schlosses gelegt werden. Der zu DDR-Zeiten gesprengte Bau soll unter dem Namen Humboldt-Forum ein modernes Kunst- und Kulturzentrum werden. Schon seit Monaten wird auch auf dieser Baustelle unüberhörbar gearbeitet. Damit die 1950 gesprengte Hohenzollern-Residenz nicht im Berliner Morast versinkt, stand sie auf 3000 Gründungspfählen, die nun aus dem Boden geholt wurden.

2019 soll das Stadtschloss - weitgehend in der Gestalt des Hohenzollern-Schlosses - eröffnet werden. Hauptnutzer der 40 000 Quadratmeter: Staatsbibliothek, Humboldt-Uniund Preußenstiftung, die dort ihre Sammlung außereuropäischer Kunst zeigen will.