"Was ich erlebt habe, lässt sich schwer in Worte fassen", sagt Julieta Ormeno Palma, die aus dem chilenischen Küstenort Tomé stammt und seit 1976 in Cottbus lebt. Ende Februar war sie zu Besuch bei Mutter und Geschwistern in der chilenischen Hauptstadt, als das Land von schweren Erdstößen erschüttert wurde. "Es war morgens gegen 3.30 Uhr. Ich wurde wach, sah Bücher aus den Regalen stürzen und spürte, wie sich das Bett unter mir bewegt", erinnert sie sich. "Man versucht klar zu denken, aber klar denken kann in so einer Situation niemand", sagt sie. "Die Treppenstufen, über die wir nach unten gelaufen sind, fühlten sich an wie eine Gummibrücke. Zuerst konnten wir die Haustür gar nicht öffnen, aber schließlich waren wir draußen. Dort sah ich die Trümmer und hörte ein Geräusch, das tief unten aus der Erde kommt", erzählt die Exilchilenin. Ihre Familie, die in einem Vorort von Santiago, vor allem mit Einfamilienhäusern lebt, sei zum Glück glimpflich davongekommen. Ein schweres Nachbeben, habe sie im Stadtzentrum erlebt, wo das Beben viele Häuser zerstört oder unbewohnbar gemacht habe. "Es gab eine regelrechte Massenhysterie. Die Menschen wurden panisch, haben geweint und geschrien. Es ist unbeschreiblich", sagt die Cottbuserin. Viel schlimmer als Santiago hat die Naturkatastrophe die Region um die Stadt Concepción getroffen, aus der Julieta Ormeno Palma stammt. "Ich habe mit meiner Tante in Tomé telefoniert. Dort gibt es zum Teil noch kein fließendes Wasser", erzählt sie. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln sei schwierig. Nach Cottbus zurückgekehrt hat sich Julieta Ormeno Palma der Initiative ihrer Landsleute angeschlossen, die Geld für die Erdbebenopfer sammeln wollen. Gemeinsam haben sie ein Benefizkonzert organisiert, das am 17. April im Quasimono stattfindet. Außerdem soll ein Hilfsverein gegründet werden.