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Nordrhein-Westfalen
Beim Katastrophenschutz droht ein Personalengpass

"Bei großen Unwetterlagen haben wir sicher noch ein bisschen Luft nach oben": Herbert Reul.
"Bei großen Unwetterlagen haben wir sicher noch ein bisschen Luft nach oben": Herbert Reul. FOTO: dpa, cas htf
Exklusiv | Düsseldorf. Analyse identifiziert Extremwetter, Chemieunfälle und Stromausfälle als größte Risiken für NRW. Thomas Reisener

NRW-Innenminister Reul will die Hilfsorganisationen in NRW stärken, um Engpässen im Katastrophenschutz vorzubeugen. Eine neue Analyse identifiziert Extremwetter, Chemieunfälle und Stromausfälle als größte Risiken für NRW.

NRW will künftig neben den Feuerwehren auch Hilfsorganisationen bei der Nachwuchsgewinnung unterstützen. "Es wird immer schwieriger, Menschen für das ehrenamtliche Engagement im Brand- und Katastrophenschutz zu gewinnen", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) unserer Redaktion. In den Engpässen beim Ehrenamt sieht er eine Schwachstelle im Katastrophenschutz.

Wachsende Probleme

In NRW engagieren sich rund 80.000 Menschen für die Freiwillige Feuerwehr, 20.000 bei Hilfsorganisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund oder dem Roten Kreuz und 18.000 beim NRW-Landesverband des Technischen Hilfswerks. Auch wegen des Wegfalls des zivilen Ersatzdienstes und der demografischen Entwicklung haben die Organisationen wachsende Probleme, ihre Sollstärken zu stellen.

Konkrete Zahlen zu der Entwicklung liegen noch nicht vor. Kommenden Donnerstag stellt Reul im Innenausschuss den "Grundlagenbericht Katastrophenschutz" vor. Die größten Katastrophen-Risiken hierzulande sind demnach Extremwetter, Hochwasser, Chemieunfälle, Pandemien, Tierseuchen sowie der Ausfall wichtiger Infrastrukturen etwa in der Telekommunikation oder in der Stromversorgung.

"Noch ein bisschen Luft nach oben"

"Insgesamt funktioniert der Katastrophenschutz in NRW gut", meint Reul. Neben den Problemen bei der Rekrutierung von ehrenamtlichen Kräften gebe es aber auch eine thematische Schwachstelle: "Bei großen Unwetterlagen haben wir sicher noch ein bisschen Luft nach oben." In dem Bericht heißt es dazu: "Beispielsweise haben wir in NRW in den zurückliegenden beiden Jahren in vielen Landesteilen Starkregenereignisse mit erheblicher Zerstörungskraft erlebt. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieses Wetterphänomen zunehmen wird." Auch katastrophale Stürme wie Kyrill und Ela, die in NRW Millionenschäden verursacht haben, behandelt der Bericht wie eine Konstante.

Neu in die systematische Betrachtung der Katastrophenschutz-Risiken aufgenommen wurden Terror-Szenarien: "Gefährdungslagen, ausgelöst durch terroristische Angriffe, werden derzeit von den Sicherheitsbehörden insgesamt intensiver betrachtet", so der Bericht.

Die Autoren fordern, dass die Datenquellen und -schätze der Katastrophenschützer besser vernetzt werden und die Bevölkerung umfangreicher für Selbstschutzmaßnahmen geschult wird. Zu Extremwetterszenarien soll es künftig eigene Übungen geben. Außerdem wird mit Blick auf das Katastrophenszenario "großflächiger Stromausfall" nun geprüft, wie lange der NRW-Katastrophenschutz seine eigene Handlungsfähigkeit mit Bordmitteln wie Generatoren und Notstromaggregaten überhaupt aufrechterhalten kann.