Der zuletzt lebende Ehegatte kann das Testament nicht einfach ändern. Das entschied das Oberlandesgericht Hamm (Az.: I-15 W 134/12) in einem Rechtsstreit, dem ein gemeinschaftliches Testament zugrunde lag. Darüber berichtet die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Ein Ehepaar hatte sich im gemeinschaftlichen Testament wechselseitig zu Erben eingesetzt. Zu Schlusserben hatten sie die beiden Töchter des Mannes aus erster Ehe bestimmt. Zugleich hatten sie angeordnet, dass die Einsetzung als Schlusserbin dann entfalle, wenn nach dem Tod des Vaters der Pflichtteil gefordert werde. So schied die eine Schwester als Schlusserbin aus, da sie nach dem Tode des zuerst verstorbenen Vaters ihren Pflichtteil verlangt hatte. Die überlebende Ehefrau begünstigte vor ihrem Tod in einem Erbvertrag ihre eigene Tochter. Die Tochter des Ehemanns beantragte jedoch einen Erbschein, der sie als Alleinerbin ausweist.

Mit Erfolg: Bei der Aufsetzung des gemeinschaftlichen Testaments sei es wichtig gewesen, den Kindern des Ehemanns den Vorzug vor der Verwandtschaft der Erblasserin zu geben. Anhaltspunkte dafür, dass beim Wegfall einer der Schlusserbinnen eine abweichende Erbfolge gewollt ist, gebe es nicht, so die Richter. Die Erbeinsetzung im gemeinschaftlichen Testament sei für die Ehefrau auch hinsichtlich der Regelung beim Wegfall eines Schlusserben bindend.

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