Schuldnern könnte im neuen Jahr der Geldhahn komplett zugedreht werden. Gehalt, Rente, Sozialleistungen oder Kindergeld werden auf normalen Girokonten künftig uneingeschränkt pfändbar. Das P-Konto muss bis spätestens 27. Dezember bei der Bank beantragt sein, damit es noch bis zum Jahreswechsel greifen kann.

Wer sollte sich beeilen?

Überschuldete Bürger, die bereits in der Pfändung stecken, damit rechnen oder schon einen Vollstreckungsbescheid haben, sollten sich jetzt sputen, rät Friedrich Preußler vom Bundesverband der Verbraucherzentralen vzbv. Wer sich bisher Vollstreckungsschutz übers Gericht geholt hat, sollte sein Girokonto ebenfalls rasch umwandeln, empfiehlt Josefine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Gerichtliche Freigabebeschlüsse verlieren 2012 ihre Wirkung.

Was bringt das P-Konto?

Gepfändeten Schuldnern bleibt automatisch mindestens der Grundbetrag von 1028,89 Euro im Monat, aus dem laufende Kosten wie Miete, Strom, Versicherungen bezahlt werden können. Mit P-Konto kriegen Überschuldete mehr finanziellen Spielraum, die Kontensperrung fällt weg. Ohne P-Konto musste der Schuldner schnell einen Antrag beim Vollstreckungsgericht stellen, um sich Pfändungsschutz zu holen. Aber auch nach der gerichtlichen Freigabe war ein gepfändetes Konto nur eingeschränkt nutzbar und wurde häufig von der Bank gekündigt.

Wie bleibt noch mehr Geld geschützt?

Der Pfändungsgrundbetrag kann aufgestockt werden, wenn der Schuldner die entsprechenden Nachweise gleich zur Bank mitbringt. Hat er etwa Unterhaltsverpflichtungen für ein Kind oder einen Ehepartner, erhöht sich die geschützte Summe um 387,22 Euro auf 1416,11 Euro. Für jede weitere Person, die er unterstützt, kommen 215,73 Euro dazu. Außerdem kann er sich das Kindergeld sowie den Bezug von Sozialleistungen schützen lassen.

Warum wird das P-Konto zum Muss?

Ab Januar ist es nicht mehr möglich, per Gerichtsentscheid Guthaben vor Gläubigern schützen zu lassen. Die Justiz soll entlastet werden. Alte Beschlüsse werden hinfällig. Außerdem fällt auch der bisherige besondere Schutz von Sozialleistungen wie Hartz IV und Kindergeld weg. Nur auf dem P-Konto ist dieses Geld noch 14 Tage lang vor der Verrechnung mit den Miesen sicher. Verbraucher sollten wissen: Bundesweit werden jeden Monat etwa 350 000 Konten gepfändet.

Wie viele Konten dürfen sein?

Jeder Schuldner hat gegenüber seiner Bank den Anspruch darauf, dass sein Girokonto als P-Konto geführt wird. Er darf aber nur ein Einziges haben, nicht mehrere. Ist ein Ehepaar von Pfändung betroffen, müsste es also ein gemeinsames Girokonto in zwei eigenständige P-Konten aufsplitten, sagt Holzhäuser. Auch Konten im Minus können umgewandelt werden.

Welche Kosten fallen an?

Die Umwandlung eines bestehenden Girokontos oder die Neueinrichtung eines P-Kontos ist kostenfrei. Der Schuldner muss den Schutz seines Existenzminimums selbst in die Hand nehmen. Vier Tage nach Antrag muss die Bank alles erledigt haben.

Wo liegen Fallstricke?

Ein laufendes P-Konto kostet nicht zu knapp. Die monatlichen Kontoführungsgebühren lägen zum Teil bei happigen 15 oder gar 25 Euro, sagt Holzhäuser. Wer kräftig zur Kasse gebeten wird, solle sich bei den Verbraucherzentralen melden.

Nutzt das P-Konto für schlechte Zeiten?

Wer Angst um seinen Job oder eine künftige Verschuldung, aber derzeit noch intakte Finanzen hat, sollte besser nicht vorsorglich ein P-Konto für schlechte Zeiten anlegen, winkt Preußler ab. Zum einen wird das P-Konto in jedem Fall an die Schufa gemeldet. Zum anderen könnte damit der Weg zu einem Bankkredit in Zukunft erschwert sein.