Die Unsicherheit über die Perspektiven des Baugewerbes im nunmehr vereinten Deutschland war groß. Da fragte ein ehemaliger Arbeitskollege, der als Technischer Oberinspektor am Theater arbeitete: "Hast du nicht Lust, bei uns anzufangen?" Das Theater suchte damals Handwerker aus Bauberufen. Das war eine Chance - und Ralf Gärtner ergriff sie. Er bewarb sich, wurde genommen und ist seitdem dabei. Ganz fremd war ihm das Theater jedoch nicht. Ralf Gärtner erinnert sich: 1988/89, während der großen Rekonstruktion, hatte die NVA, weil der Kreisbaubetrieb nicht über die nötige Technik verfügte, das Theaterdach abgetragen, damit der neue Bühnenturm aufgesetzt werden konnte. Ralf Gärtner selbst hatte am Vorhof und am Abwassersystem mitgebaut. Aber nun gehörte er als Haushandwerker, als das so genannte "Hemd für alles", richtig dazu. Im Jahr 1993 gab es im Theater eine komplette technische Umstrukturierung. Ralf Gärtner wurde Bühnentechniker an der Neuen Bühne. Das war zunächst nicht einfach. Mit dem Schichtdienst musste das Familienleben umgestellt werden, und die Arbeit auf der Bühne war eine gänzlich neue Form von Teamarbeit: schnell, leise, im Dunkeln, wie von unsichtbarer Hand, mussten auf Zeichen des Inspizienten, im Zusammenspiel mit dem Licht, dem Ton und den Künstlern, Podeste, Dekorationen, Hänger bewegt und auf Position gefahren werden. Ralf Gärnter denkt gern an seine erste Arbeit auf der Bühne zurück, die Oper "Don Giovanni", aber auch daran, wie es ihm zunächst schwerfiel, seinen "Baujargon" auf Flüsterniveau zu senken. Heute liebt er seinen Beruf, dieses ständige "Bäumchen-wechsel-dich". Jeder Tag, jede Aufführung, jede Bühne - ob in Senftenberg, auf Gastpiel oder im Amphitheater - hält neue Anforderungen bereit, verlangt andere technische Umsetzungen. Da ist viel Köpfchen gefragt. Und dennoch bleibt die Arbeit - trotz vieler technischer Hilfsmittel - ein Knochenjob. Also wünscht sich Ralf Gärtner, gesund zu bleiben, damit er möglichst noch lange seinem Beruf nachgehen kann. Denn Theater sei schon eine "Supersache", besonders wenn es "Theater des Jahres" geworden ist, die Zuschauer gern kommen, es was zum Lachen gibt, es "Knaller" wie die "GlückAufFeste" gibt - und es nun bald wieder ins Amphitheater geht. Gisela Kahl