Als vor 30 Jahren, am 30. Oktober 1985, die US-Raumfähre Challenger in die Weiten des Weltalls fliegt, übernehmen erstmals Deutsche das Kommando. Die Anweisungen für die acht Astronauten kommen aus dem Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen, westlich von München. Beim nächsten Abflug, keine drei Monate später, explodiert die Challenger 73 Sekunden nach dem Start. Sieben Menschen sterben. "Es hätte genauso uns treffen können", sagt Ernst Messerschmid (70) aus Reutlingen, der als deutscher Astronaut mit der D1-Mission STS-61-A ins All fliegt. Wie sich später herausgestellt hat, sind auch beim deutschen Flug jene Dichtungsringe teils durchgeschmort, die als Ursache für die Space-Shuttle-Katastrophe ausgemacht werden.

Für Angst sei nicht wirklich Zeit gewesen, schließlich galt es, sich schon beim Aufstieg auf die ersten von 80 geplanten Forschungsversuchen zu konzen trieren. Etwas Sorge habe er gehabt, den Anforderungen der Professoren und Doktoranden nicht gerecht zu werden, erinnert sich Messerschmid. Wie beeinflusst die Schwerelosigkeit den Körper, wollen Mediziner wissen. Lassen sich Kristalle für Halbleiter im All besser herstellen als auf der Erde? Und Kommunikationstechniker forschten an Atomuhren, die zur Grundlage für die GPS-Technik wurden.

Kopf des Experimentierbetriebs im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen ist Ulf Merbold (74), der zwei Jahre zuvor mit der Nasa als erster Westdeutscher ins All geflogen war. "Wir waren völlig euphorisch", erinnert sich Merbold später. Messerschmid ist mit dem Verlassen der Erdatmosphäre nach Kosmonaut Sigmund Jähn (1978) und Merbold (1983) der dritte Deutsche im All. 112-mal umkreist die Challenger Ende 1985 in sieben Tagen die Erde. Die erhoffte Initialzündung für die bemannte Raumfahrt in Deutschland wird die D1-Mission aber nicht. "Der Trend geht heute zum Mond", betont Messerschmid, den die Raumfahrt nicht losgelassen hat. Das Sonnensystem vom Mond aus zu erforschen und die Entstehung des Erdtrabanten zu verstehen, habe besonderen Reiz. Spannend bleibt, wie es nach dem planmäßigen Aus der ISS 2024 weitergeht. Und natürlich wolle man zum Mars.