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| 02:38 Uhr

Bedrohtes Volk zieht nun ans Spremberger Wasserwerk

Farbige Schautafeln sollen den Kindern das Handwerk der Bienenzucht näherbringen: So wünschen es sich die Mitglieder des Imkervereins und des Naturschutzbundes, Jürgen Neumann (links), Wieland Böttger (hinten), Wolf-Rüdiger Herz und Monika Tittler.
Farbige Schautafeln sollen den Kindern das Handwerk der Bienenzucht näherbringen: So wünschen es sich die Mitglieder des Imkervereins und des Naturschutzbundes, Jürgen Neumann (links), Wieland Böttger (hinten), Wolf-Rüdiger Herz und Monika Tittler. FOTO: René Wappler
Spremberg. Falls diese Tiere wirklich aussterben, droht auch dem Menschen eine Nahrungsmittel-Krise: Bienenzüchter aus Spremberg arbeiten mit der Naturschutzstation zusammen, indem sie eine Lehrimkerei am Wasserwerk anlegen. René Wappler

Da betreten die beiden Männer das kleine Holzhaus an der Naturschutzstation. Draußen zwitschern die Vögel in der Sonne, aber in die Lehrimkerei fällt nur spärliches Licht.

Die beiden Männer sind Jürgen Neumann und Wolf-Rüdiger Herz vom Imkerverein Spremberg 1862, und sie beraten darüber, wie sich das Holzhaus am besten einrichten lässt. "Hier oben könnte die Glasvitrine mit den Informationsblättern hinkommen", sagt Wolf-Rüdiger Herz, der Vorsitzende des Vereins.

Im April soll die Lehrimkerei eingeweiht werden: So lautet der Plan, mit dem sich Wieland Böttger vom Naturschutzbund trägt. Die Mitglieder des Spremberger Regionalverbandes haben in den vergangenen Jahren eine kleine Idylle am Wasserwerk bei Trattendorf geschaffen. Hirsche, Rehe, Füchse und die Wölfe des Spremberger Rudels streifen immer wieder durch den kleinen Naturpark. Nebenan überwintern die Fledermäuse in einem unterirdischen Quartier.

Und bald ziehen also Bienen in das Holzhaus ein.

Wieland Böttger vom Naturschutzbund sagt: "Wenn uns ohnehin regelmäßig Schulklassen besuchen, müssen wir ihnen neben der Bildung auch ein wenig Action anbieten - das erhöht den pädagogischen Effekt." Er stellt sich bereits vor, wie die Kinder den Bienen gegenüberstehen, wie sie eine Schutzhaube überstreifen und dabei womöglich spielerisch erfahren, dass die Welt des Menschen ohne diese Tiere ärmer wäre. Nicht nur, dass Deutschland mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von einem Kilogramm Honig weltweit an der Spitze liegt: So teilt es das Bundesministerium für Ernährung mit. Bienen sorgen auch für den Ertrag an Obst und Gemüse auf den Flächen der Landwirte, an den sich die Konsumenten inzwischen so gewöhnt haben. Deshalb zeigen sich die Fachleute auch so bestürzt darüber, dass die Zahl der Bienen dramatisch sinkt.

Auch das Handwerk der Züchter hat schon glanzvollere Zeiten erlebt. Wolf-Rüdiger Herz vom Imkerverein erinnert sich: "Zu DDR-Zeiten hatten wir noch 50 bis 80 Mitglieder, und der Honig war damals heiß begehrt." Das habe sich schlagartig mit der politischen Wende in den Jahren 1989 und 1990 geändert. Momentan zählt der Spremberger Verein 21 Mitglieder, und der Vorsitzende freut sich riesig darüber, dass ihm erst kürzlich vier junge Leute beigetreten sind, die Interesse an der Bienenzucht bekunden.

Vielleicht trägt die Lehrimkerei dazu bei, dass Kinder aus Spremberg ebenfalls Gefallen an diesem Handwerk finden. Schon jetzt denken die Mitglieder des Naturschutzbundes über ihr nächstes Projekt nach: Sie wollen eine Unterkunft für Wildbienen konzipieren. "Die würde ebenfalls aussehen wie ein kleines Häuschen", erläutert Wieland Böttger, "mit Steinen im Inneren, in denen die Bienen nisten können." Ein Verein, der sich nicht auf seine Schwerpunkte konzentriere, sei nun mal nichts wert, stellt Wieland Böttger fest. "Wir können die Gesellschaft nur dann entwickeln, wenn wir uns selbst engagieren."