Herr Zimmermann, seit 21 Jahren arbeiten Sie mit ihrem Team als freier Architekt in der Lausitz. Wie haben Sie es geschafft, einen solchen bedeutenden Preis zu gewinnen?

Die Bauten von zimmermann+partner sind keine Einzelleistungen, sondern erfordern eine hochmotivierte Planungsgruppe, in der jeder Einzelne seinen Beitrag verantwortlich erbringen muss. Insofern haben Sie sicher Verständnis dafür, dass ich diese hohe Auszeichnung nicht allein beanspruchen kann und der Gottfried Semper Architekturpreis dem gesamten Team, insbesondere meinen langjährigen Partnern Lothar George und Uwe Ramisch ebenso zusteht.

Die Auszeichnung ist für uns eine große Ehre. Aber um den Semper Architekturpreis kann man sich nicht bewerben, die Jury verleiht ihn auch nicht für einzelne Projekte. Es geht um eine Würdigung innovativer, nachhaltiger Baukultur.

Was machen Sie denn anders oder besser als andere Architekten?

In unserem Team beschäftigen wir uns seit 30 Jahren mit Architektur. Unsere Lehrer waren geprägt durch die Lehren der Nachkriegsmoderne. Davon ist bei uns, unter Maßgabe der DDR-Kultur, einiges hängen geblieben, ob wir es wollten oder nicht. Zunächst ging es uns um das systematische Bauen, später kamen die Bedeutung von Raum, Licht, Material und Haptik dazu. Heute sind uns die Details materieller Fügungen sehr wichtig. Die Übergänge zwischen Wänden, Decken, Böden und Fenstern. Diese Qualität wissen Konsumenten, also Benutzer und Bewohner, zu schätzen. Ein Beispiel ist etwa die sanierte Sportschule in Cottbus. Daran haben wir vor zehn Jahren gearbeitet, und noch heute sieht alles aus wie neu. Weil Räume, in denen sich die Menschen wohlfühlen, gepflegt werden. Sie können in Würde altern. Außerdem denken wir unsere Entwürfe zunächst vom öffentlichen Raum her und versuchen, uns mit Respekt und ohne laut aufzutreten, in den Organismus der Stadt einzufügen.

Einen Namen hat sich ihr Büro mit der eher unspektakulären Sanierung von Plattenbauten gemacht.

Das stimmt. In den neunziger Jahren gab es viele große attraktive Projekte, um die sich die Architekten bemüht haben. Plattenbau wollte niemand machen. Aber wir kannten uns mit dem systematischen Bauen aus. Die heutige eg Wohnen hat uns damals einen ersten großen Auftrag und damit die Chance gegeben, zu wachsen. Auch der Stadt Cottbus und ihren Aufträgen haben wir viel zu verdanken. Durch die verschiedenen Aufträge im Wohnungsbau und Arbeiten an so reizvollen Gebäuden wie der Bauhausschule, der Containerschule in Schmellwitz oder den Probebühnen für das Staatstheater konnten wir unglaublich viel lernen und eben auch bekannter werden. Nur so war es beispielsweise möglich, dass ein Wohnungsunternehmen aus München auf uns zugekommen ist: Wir sollten dort 125 Wohnungen bauen. Hoch systematisiert und umfassend vorgefertigt, eine Art moderner Plattenbau für die bayrische Landeshauptstadt also.

Trotzdem träumen die Menschen doch eher von der Eigenheimidylle auf der grünen Wiese.

Glauben Sie? Ich habe eher das Gefühl, der Trend kehrt sich seit etwa zehn Jahren um. Die Menschen kehren zurück in die Stadt. Gerade auch in Cottbus wird ja derzeit viel im innerstädtischen Bereich gebaut, etwa am Spreeufer oder im Meldekomplex.

Sind Sie selbst auch schon unter die Häuslebauer gegangen?

Meine Frau ist auch Architektin, es würde uns schwerfallen, wir würden uns nicht einigen können. Wir wohnen seit zehn Jahren in einem sehr schönen Haus der klassischen Moderne. Aber wir haben auch schon Einfamilienhäuser für private Bauherren gebaut. Zum Beispiel ein Haus ohne Detail und Ornament in der Puschkinpromenade, inmitten spätklassizistischer Villen.

Der Versuch einer Provokation?

Ganz und gar nicht. Bei genauerem Hinsehen merkt man, wie gut sich das Haus in seine Umgebung einfügt. Proportionen und Abstände stimmen. Es muss auch möglich sein, dass unsere Zeit in einer solchen feinen Straße ihre Fingerabdrücke hinterlässt.

Wo werden Sie denn demnächst ihre Abdrücke hinterlassen?

Ein sehr schönes und anstrengendes Projekt ist das Stadthaus in Cottbus. In dem ehemaligen evangelischen Gemeindehaus in der Bahnhofsstraße spiegeln sich alle Epochen seit der Kaiserzeit wider. Hier funktional zu modernisieren, ist eine echte Herausforderung. Außerdem haben wir gerade am Glad-House gearbeitet, dessen erste Sanierung wir als junge Leute vor 20 Jahren übernommen hatten. Der Erweiterungsbau der Sparkasse Spree-Neiße läuft. Und der Deutsche Turnerbund hat angefragt, ob wir eine Turnhalle am Standort Kienbaum planen wollen. Alles schöne Aufgaben.

Macht Ihnen der Beruf nach so vielen Jahren tatsächlich noch Spaß?

Wir haben das Glück, dass wir unser Geld mit Dingen verdienen, die wirklich Freude bereiten. Wenn die Nutzer unsere Arbeit zu schätzen wissen, ist das ein wirklich gutes Gefühl. Und eine Preisverleihung wie jetzt in Dresden, vor 250 geladenen Gästen auf Schloss Wackerbarth, die zählt auch zu den ganz großen Momenten einer Berufslaufbahn.

Das Gespräch führte

Andrea Hilscher
Zum Thema:

Der PreisMit dem Gottfried Semper Architekturpreis wird eine deutsche Architektenpersönlichkeit gewürdigt. Bei der Beurteilung werden Aspekte der Architekturqualität, der städtebaulichen Einbindung, des Landschaftsbezugs sowie des klima-, ressourcen- und flächenschonenden Bauens berücksichtigt. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Sächsischen Akademie der Künste mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) und Vattenfall Europe Mining & Generation (Stifter) vergeben und ist mit 25 000 Euro dotiert. Der ArchitektFrank Zimmermann wurde 1959 in Schwerin (Mecklenburg) geboren. 1980 bis 1985 Architekturstudium an der TU Dresden, Diplom, 1985 bis 1990 im Cottbuser Industrieanlagenbau tätig, seit 1990 freischaffend, Kooperation mit Uwe Ramisch und Lothar George. Frank Zimmermann ist verheiratet und hat eine Tochter. Leser-Aufruf Kennen auch Sie Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben? Dann schlagen Sie uns Gesprächspartner vor: Lausitzer Rundschau, Straße der Jugend 54, 03050 Cottbus.

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