"Der Schaden, der im vergangenen Jahr auf landwirtschaftlichen Flächen durch Wild entstanden ist, beläuft sich allein für die Agrargenossenschaft Forst auf rund 35 000 Euro", sagt Egon Rattei, der Geschäftsführer der Forster Agrargenossenschaft und Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Spree-Neiße. Zwar werde Schadenersatz geleistet, aber nicht eins zu eins. "Einen Teil des Schadens müssen wir Bauern hinnehmen", sagt Rattei. "Das führt ständig zu Konflikten", weiß der Verbandschef. Die Untere Jagdbehörde, aber auch die Jagdpächter und die zuständigen Jagdgenossenschaften bekämen die Klagen der Landwirte zu hören, zum Beispiel wenn wieder einmal Wildschweine in einem Maisfeld ihr Unwesen getrieben hätten, was sehr häufig vorkomme, so Rattei. "Wildtiere können nicht angeleint werden, deshalb lassen sich Wildschäden nicht vermeiden", sagt Henrik Schuhr, der Leiter der Unteren Jagdbehörde des Landkreises. Dort liege die Schadensrate konstant auf hohem Niveau, bestätigt Schuhr. Das habe Gründe. Zum einen erhöhe der Verlust von Lebensräumen und Äsungsflächen zum Beispiel durch Tagebaue oder neue Gewerbegebiete den Druck auf das Wild, was den Wildbestand verdichte. Zum anderen erschwerten die in der Region üblichen großen Schläge - Maisfelder seien zum Teil 20 bis 30 Hektar groß - den Jägern den Abschuss der Tiere. Um den Dauerkonflikt um die Wildschäden zu entschärfen, setzen die Landwirte und die Jäger im Spree-Neiße-Kreis auf Kommunikation und Kooperation. "Ich habe mich gefragt, wie wir unsere Kräfte bündeln und zusammenarbeiten können", sagt Egon Rattei. Bereits jetzt gebe es Beispiele erfolgreicher Kooperation. So etwa, wenn Jäger - unter hohen Sicherheitsvorkehrungen - die Ernte begleiteten oder während der Notzeit im Winter, wenn Bauern und Jäger Hand in Hand für eine ausreichende Futterversorgung des Wildes sorgten.Bei einem Treffen mit der Unteren Jagdbehörde wurden kürzlich weitere Möglichkeiten des Miteinanders ausgelotet. "Wir als Behörden versuchen, vermittelnd zu wirken", sagt Henrik Schuhr, der die Position der Jäger genau kennt. "Durch die jagdliche Bewirtschaftung entsprechend des festgelegten Abschussplanes wird der Wildbestand gut reguliert", lobt Schuhr den Einsatz der Jäger. Diese Aufgabe sei angesichts der großen Schläge, in denen sich das Wild verstecken kann, nicht leicht zu erfüllen. Um den Jägern entgegenzukommen, regt Egon Rattei an, in den riesigen Maisfeldern Schussschneisen für die Jäger einzurichten. Außerdem könnten die Bauern Grünstreifen um die Felder freilassen, um die Jagd zu erleichtern. "Es ist im Interesse der Bauern, dass die Wildbewirtschaftung positiv abläuft", unterstreicht er. "Die Landwirte müssen zwar Abzüge bei den Fördermitteln hinnehmen, wenn sie ihre Flächen nicht optimal ausnutzen. Aber hier sollten sie abwägen. Es kann sich auszahlen, auf Förderung zu verzichten, aber dafür die Verluste durch Wildschäden zu reduzieren", sagt Henrik Schuhr. Wenn Jäger und Landwirte an einem Strang zögen, könne das nur fruchtbar sein, so Schuhr. "Bei der Bewirtschaftung einer Kulturlandschaft ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten wichtig."