Die Werra ist kalt und trüb: Im Schneeregen halten am Dienstag Männer in roten und blauen Schlauchbooten Ausschau nach einem vermissten Kleinkind. Seit mehr als 24 Stunden wird nach dem Einjährigen aus dem südthüringischen Bad Salzungen in den Fluten gesucht - bislang vergeblich. Polizei und Feuerwehr haben nur noch wenig Hoffnung, den Jungen lebend zu finden. Selbst ein Erwachsener könne bei diesen Wasser- und Außentemperaturen nicht lange im Fluss überleben, sagt eine Polizeisprecherin.

Die Mutter ist bei der Suche nicht dabei - sie wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht. Es gibt den schwerwiegenden Verdacht, dass die 35-Jährige am möglichen Tod ihres Kindes schuld sein und es in den Fluss geworfen haben könnte.

Polizei und Feuerwehr sind mit 80 Einsatzkräften auf dem Fluss und an seinen Ufern unterwegs. Zwischen Bad Salzungen und einem Wehr in Tiefenort suchen sie jeden Winkel ab. Auch Leichenspürhunde sind auf Booten dabei, die gegen die Strömung kämpfen. Seit dem Verschwinden des Jungen am Montagnachmittag haben die Retter ihre Aktion nur kurzzeitig unterbrochen - die Akkus der Suchscheinwerfer der eingesetzten Boote waren leer. Was anfangs nach einem Unglück aussah, ist nach gegenwärtiger Einschätzung der Polizei wohl ein Verbrechen. Die 35-jährige Mutter sei noch in der Nacht auf Dienstag vorläufig festgenommen worden, berichtet die Sprecherin der Polizei. Ein Richter entschied dann, dass die Frau für mehrere Wochen in eine Klinik kommt. Zu den Hintergründen hüllen sich die Ermittler in Schweigen. Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Meiningen sagt nur, auch für seine Behörde gelte die Frau als Tatverdächtige. Dass es bisher noch keinen Haftbefehl gegen sie gibt, habe unter anderem mit den schwierigen Ermittlungen in dem Fall zu tun. Beim Vater des Kindes dagegen liegen laut Polizei bislang keine Hinweise vor, dass er etwas mit dem mutmaßlichen Tod des Kindes zu tun haben könnte.

In der Kurstadt mit knapp 16 000 Einwohnern gibt es an dem Tag nur ein Thema. Die Werra fließt direkt durch das Städtchen. Nach dem Regen ist der Wasserstand hoch.