"Seit ein paar Tagen riecht es nicht mehr." Lothar Kühnel ist vorsichtig optimistisch. Gemeinsam mit seinen Nachbarn in der Sachsendorfer Straße hatte er vor gut einem Jahr die Behörden eingeschaltet und Kontakt zu Bahn und Wasserunternehmen LWG gesucht. Hatte es früher vielleicht einmal im Monat gestunken, gab es zu diesem Zeitpunkt mitunter dreimal in der Woche schlechte Luft. Als Ursache wurden die Fäkalien aus den Zugtoiletten vermutet, die im benachbarten Bahnbetriebswerk gereinigt wurden.

Die Bahn reagierte. Zunächst wurde das Überpumpintervall aus dem Zwischensammelbecken verringert. Das anfallende Abwasser wurde somit nicht lange zwischengespeichert, sondern umgehend über die Kanalisation abgeleitet. Parallel dazu wurde die Waschanlage im Bereich der DB Werkstatt in der Sachsendorfer Straße auf einen anderen Reinigertyp umgestellt, so die Bahn. An verschiedenen Stellen seien zur Kontrolle Proben der Abwässer genommen worden.

Als auch das keinen Erfolg brachte, wurde über bauliche Veränderungen nachgedacht. Dabei habe man sich für die Variante entschieden, die den größten Erfolg versprach, allerdings auch am teuersten gewesen ist, sagt eine Bahnsprecherin. Nun wurden die Abwässer überhaupt nicht mehr in die Kanalisation eingeleitet, sondern in einem großen Sammelbecken bis zur Abfuhr per Straßenfahrzeug gesammelt. Diese neue Sammelgrube ist seit Juli/August in Betrieb.

"Hier waren sich alle Fachleute von LWG, Stadt und Umweltzentrum der Bahn einig, dass diese Totalvariante in jedem Fall das Problem löst", so die Unternehmenssprecherin.

Doch es folgte die Ernüchterung. Im November gab es eine erneute Beschwerde der Anwohner. "Es stank noch schlimmer als im vergangenen Jahr", sagt Lothar Kühnel.

Die Bahn trommelte erneut die Fachleute zusammen, es gab noch einmal eine Besichtigung der Anlage. "Hierbei wurde festgestellt, dass vorhandene Nischen innerhalb der Abwasserführung dazu geeignet sein könnten, Feststoffe aus dem Abwasser aufzufangen", so die Bahnsprecherin. Dies könnte die letzte noch verbliebene Quelle für die Geruchsbelästigung sein.

Seit wenigen Tagen werden die Nischen geschlossen. Die Reinigungsanlage ist für diesen Zeitraum gesperrt. Nach Ansicht der Experten sei dann alles getan worden, damit es nicht mehr stinkt. Proben der Abwässer hätten keine Auffälligkeiten gezeigt.

"Wie erkennbar ist, wurde hier sehr viel bewegt, um die Geruchsbelästigung zu verhindern", so die Bahnsprecherin.

Die Anwohner der Sachsendorfer Straße hoffen, dass damit das Problem endlich aus der Welt ist. Von dicker Luft haben sie jedenfalls die Nase voll.

Zum Thema:

Zum ThemaLaut Bahn hatte eine durch die LWG veranlasste Abwasseruntersuchung an der Übergabestelle "keine Auffälligkeiten" festgestellt. Direkt im Abwasserschacht in der Sachsendorfer Straße 36 wurde hingegen beim Schwefelwasserstoff ein Wert von 100 bis 350 ppm (parts per million, zu deutsch "Teile von einer Million") über mehrere Stunden täglich festgestellt. Zum Vergleich: Ab 100 ppm werden Reizung der Schleimhäute an Augen und Atemwegen, Speichelfluss und Hustenreiz beobachtet, ab 200 ppm Kopfschmerz und Atembeschwerden. Ab 250 ppm werden die Geruchsrezeptoren betäubt. Ab 300 ppm tritt Brechreiz auf. Niedrige Dosen über eine längere Zeit können zu Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, führen.