Beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) gibt es Fachleute, die weit in die Zukunft schauen. Sie haben eine Studie unter dem Titel „Mobilitätsplanung Berlin-Brandenburg 2030“ veröffentlicht – die auch die Spremberger Region betrifft. So hält es der ADAC für nötig,

die Straßeninfrastruktur zukunftsfähig auszubauen und mit Weitsicht zu sanieren und

für Straßen und Kommunen wesentlich mehr Mittel bereitzustellen, weil dieses Netz von essentieller Bedeutung für die Entwicklung von Wirtschaft und Tourismus ist.

Schließlich wird sich nach Ansicht der Fachleute der Lastwagenverkehr auf den Straßen des Landes Brandenburg in den nächsten Jahren verdreifachen. Vor diesem Hintergrund erklärt der Leiter für Verkehr beim ADAC Berlin-Brandenburg, Jörg Becker: „Der Bau der Spremberger Ortsumfahrung war ein richtiger Schritt, da er dem Gebot folgt, die Innenstädte und kleineren Gemeinden vom Verkehr zu entlasten.“ Mit anderen Worten: „Wo wir Ortsumfahrungen haben, atmen die Anwohner auf.“

Erstmals kann das Spremberger Rathaus diese Aussage mit Zahlen untermauern. Laut Statistik hat die Ortsumfahrung schlagartig dafür gesorgt, dass weniger Verkehr durch die Innenstadt fährt. Dafür fanden Messungen an zwei Schwerpunkten statt – in der Berliner Straße und der Dresdener Chaussee. Die Ergebnisse:

In der Berliner Straße waren im Juni noch 55 930 Pkw unterwegs – im Oktober hingegen 45 655. Im Juni wurden 3455 Lieferwagen gezählt – in Oktober waren es nur noch 1675. Der Schwerverkehr sank von Juni bis Oktober sogar von 2792 auf 809 Fahrzeuge.

In der Dresdener Chaussee in Schwarze Pumpe ergibt sich ein ähnliches Bild. Dort fuhren im Mai 47 399 Pkw entlang, im Oktober jedoch nur 26 469. Die Zahl der Lieferwagen sank im gleichen Zeitraum von 5143 auf 1880 Fahrzeuge. Im Schwerverkehr nahm die Zahl der Fahrzeuge wiederum von 5066 auf 1814 ab.

Mit diesem Trend geht ein weiterer positiver Aspekt einher: Nach Angaben der Polizei sinkt in Spremberg auch die Unfallgefahr. Zum Beispiel an der Kreuzung der Berliner Straße zur Dresdener Straße: Dort ereignen sich nach den Worten des Spremberger Polizeibeamten Frank Baum weit weniger Auffahrunfälle als vor dem Bau der Ortsumfahrung. „Früher registrierten wir noch mindestens zwölf bis 14 solcher Unfälle in einem halben Jahr an dieser Kreuzung“, sagt Frank Baum.

„Das ist vorbei, denn die neue Straße entlastet den Verkehr in diesem Bereich wirklich sagenhaft.“

Unterdessen macht der ADAC noch eine Rechnung auf, die vor allem den Unternehmern in der Spremberger Region gilt: So löse eine Investition von einem Euro seitens der öffentlichen Hand in die Infrastruktur durchschnittlich sechs Euro an Investitionen aus privater Hand aus. Für die Spremberger Ortsumfahrung würde dies bedeuten, dass die Investition von 34 Millionen Euro in die Strecke langfristig weitere Projekte mit einem Wert von 204 Millionen Euro nach sich zöge. Ob diese Kalkulation auch für die Lausitz aufgeht, wird allerdings erst die Zeit zeigen.

Zunächst gibt Verkehrsexperte Jörg Becker vom ADAC zu bedenken: „Der Bau von Ortsumfahrungen darf auch in Zukunft nicht dem Rotstift zum Opfer fallen.“ Regelmäßig treffen sich nach seinen Worten die ADAC-Mitarbeiter mit Politikern, um diesen Aspekt immer wieder zu betonen. „Denn der Leidensdruck ist enorm“, sagt er. „Wir haben nämlich immer noch etliche Bundesstraßen im Land Brandenburg ohne direkte Anbindung zu einer Autobahn, die durch den Verkehrsstrom enorm belastet sind.“

Zum Thema:

Zum Thema Die 12,5 Kilometer lange Ortsumfahrung, am 16. September freigegeben, gilt laut Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) als „eines der wichtigsten Projekte der Lausitz“. Der Bau umfasste neun Brückenbauwerke, vier Kreuzungen und einen Kreisverkehr. Die Neubautrasse beginnt zwischen Terpe und Schwarze Pumpe, führt westlich an Spremberg vorbei und mündet nah am Funkturm wieder in die vorhandene B 97.