Nächtlicher Notruf. Der DRK-Fahrer schaltet Blaulicht und Martinshorn ein, er beschleunigt - und plötzlich sieht er im Rückspiegel ein Auto, besetzt mit jungen Leuten, die sich offensichtlich einen Spaß daraus machen, ihm so schnell wie möglich zu folgen. Selbst über eine rote Ampel."Das ist unseren Leuten in Peitz passiert", sagt der Leiter des DRK-Rettungsdienstes in Burg, Klaus Schultchen. "Leider kein Einzelfall." Er berichtet von Autofahrern, die an einer Unfallstelle die Sanitäter beschimpfen, weil sie wegen der Absperrung nicht rechtzeitig zum Arbeitsort kommen. Von Fahrern, die so laut Musik in ihrem Auto hören, dass sie das herannahende Rettungsfahrzeug nicht bemerken und ihm den Weg durch die Cottbuser Innenstadt versperren. "Solche Fälle häufen sich in letzter Zeit", erklärt Klaus Schultchen. "Mag sein, dass es mit der allgemeinen Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft zu tun hat."Und dann die vielen Schlaglöcher. Fahrdienstkoordinator Thomas Konnopke von den Cottbuser Johannitern rät seinen Mitarbeitern, die Straße der Jugend in Cottbus zu meiden, wenn es ihnen möglich ist. "Bei unseren Fahrten mit Kranken und Behinderten ist nun mal ein schonender Transport nötig", erläutert er. "Wenn man über ein Schlagloch fährt, ist dies für einen Patienten im Rollstuhl sehr unangenehm." Auch die DRK-Mitarbeiter, die im Spree-Neiße-Kreis unterwegs sind, schütteln den Kopf angesichts der Straßenverhältnisse in der Stadt. "Wenn wir aus der Peitzer Richtung am Cottbuser Ortseingangsschild eintreffen, mit Patienten, die einen Bruch erlitten haben, sind die Schlaglöcher trotz Luftpolsterung der Fahrzeuge eine einzige Zumutung", schimpft Rettungsdienst-Leiter Klaus Schultchen. Das Gesetz über den Rettungsdienst im Land Brandenburg sieht vor, "dass jeder an einer öffentlichen Straße gelegene Einsatzort in 95 Prozent aller Fälle in einem Jahr innerhalb von 15 Minuten erreicht wird". Mitunter ist dieser Zeitplan jedoch kaum einzuhalten, wie Klaus Schultchen berichtet. "Was sollen wir machen, wenn wir auf eine Umleitung stoßen, die uns von den Behörden nicht gemeldet wurde - wie es mal in Heinersbrück der Fall war?"Zehn Rettungsdiensteinsätze nehmen die Johanniter im Schnitt pro Tag in Cottbus und dem Dahme-Spreewald-Kreis wahr. Das Deutsche Rote Kreuz kümmert sich unterdessen um den Spree-Neiße-Kreis. "Im Rettungsdienst sind bei uns nur erfahrene Leute unterwegs", sagt Johanniter-Sprecher Andreas Berger-Winkler. "Es bringt schließlich nichts, jemanden einzusetzen, der eben erst seinen Führerschein bekommen hat." Regelmäßig nehmen die Fahrer nach seinen Worten an einem Sicherheitstraining teil, das sie befähigen soll, auch in gefährlichen Situationen rechtzeitig auf die Bremse zu treten. "Denn für uns ist es wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter im Straßenverkehr angemessen verhalten." Nur viele andere Autofahrer lassen diese Qualität offenbar vermissen, wenn sie den Rettungsfahrzeugen begegnen. "Das aggressive Verhalten mancher Leute ärgert uns mächtig", sagt Klaus Schultchen vom DRK. "Schließlich gehen die Einsätze für uns ohnehin schon mit enormem Stress einher." "Fahrstil okay?": Diese Frage prangt am Heck der Cottbuser Johanniter-Fahrzeuge - und darunter eine Telefonnummer für Autofahrer, die ihren Kommentar abgeben wollen. Gleich mal ausprobieren.Hallo?
Ja, hier ist "Fahrstil okay".Tagschön. Ich wollte Ihnen mitteilen, dass ich den Fahrstil des Cottbuser Johanniter-Autos am vergangenen Freitag um 10.20 Uhr in der Dresdener Straße sehr okay fand.
Das freut mich. Passiert Ihnen sicher nicht oft, dass jemand mit einem positiven Hinweis unter dieser Nummer anruft, oder?
Das stimmt. In 90 Prozent der Fälle wollen sich Leute bei uns beschweren.Und wie oft passiert das?
An die 20 Anrufe gehen täglich bei uns ein, allerdings aus der ganzen Bundesrepublik.Aha. Wo bin ich denn überhaupt mit meinem Anruf gelandet?
In München. Wir notieren uns die Hinweise der Bürger, und dann leiten wir sie per Fax an die jeweilige Niederlassung der Johanniter weiter. Meinen Sie denn, dass die Aktion mit der Telefonnummer auf dem Heck was bringt?
Durchaus. Unsere Fahrer sollen sich daran erinnern, dass sie sich vernünftig verhalten müssen - und das funktioniert gut.