Horror im Nebel: Zwei Unfallautos mit Blechschaden stehen auf der Autobahn 31 im Münsterland – und lösen eine Massenkarambolage aus. Am Ende sind drei Menschen tot und 35 verletzt. Ein Schutzengel mit weißen Flügeln hängt am Innenspiegel eines Kleinwagens. Am Armaturenbrett und am Lenkrad sind die Fetzen der Airbags zu sehen. Das Auto ist sonst fast unbeschädigt. Jemand hat eine blausilberne 37 draußen auf das Blech gesprüht.

Nummern auf den Wracks

Auch die vielen anderen Wracks im Trümmerfeld tragen Zahlen zur Orientierung für die Helfer und Ermittler. In der zögerlichen Morgensonne lässt sich am Samstag der Schrecken nur ahnen, der 14 Stunden vorher bei der Massenkarambolage auf der Autobahn 31 im westlichen Münsterland herrschte. Drei Menschen starben und 35 Menschen wurden bei dem Unglück südlich von Gronau verletzt. „Heute Morgen war hier Totenstille“, schildert der Polizist Christian Lein seinen ersten Eindruck vom Tag nach der Katastrophe. Überall liegen benutzte Einweghandschuhe auf der Fahrbahn und zeugen davon, dass Ersthelfer und Rettungssanitäter in den Stunden zuvor Verletzte versorgt haben. Auf dem Beifahrersitz eines Kombis steht eine volle Einkaufstasche, vom Haltegestänge eines Vans sind Kinderfahrräder auf den Asphalt gefallen. Ein Großraumtaxi hat den Wagen vor sich bis zur Unkenntlichkeit zusammengedrückt. Nach ersten Ermittlungen kam es zu einem Unfall mit Blechschaden, bei dem niemand verletzt wurde. Für nachfolgende Fahrer wurden das Hindernis und der dadurch entstandene Stau aber zum Verhängnis. Möglicherweise zog sich die Katastrophe am Freitagabend über Minuten hin, denn der Verkehr fließt hier normalerweise nicht sehr dicht.

Dass zwei große Lastzüge rechtzeitig bremsen konnten, nachdem sich schon 52 Fahrzeuge ineinander verkeilt hatten, verhinderte noch Schlimmeres.

Zwei Menschen, die es schafften, aus ihren eingekeilten Autos zu entkommen, wurden möglicherweise auf dem Weg zum sicheren Straßenrand von herannahenden Wagen erfasst.

Den dritten Toten fanden die Helfer in einem Wagen an einer Böschung. „Fakt ist, dass es Nebelbänke gab“, sagt Polizeisprecher Jan Schabacker.

Ob einige Fahrer bei diesen Sichtverhältnissen zu schnell unterwegs waren, müssen jetzt die Experten herausfinden. Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt sind eingeleitet. Seit dem späten Samstagabend ist die Autobahn 31 bei Münster wieder in beide Richtungen befahrbar. Die Unfallaufnahme und die Aufräumarbeiten am Unfallort zwischen den Anschlussstellen Heek und Ochtrup seien abgeschlossen, teilte die Polizei in Münster mit. Die Autobahn war länger als 24 Stunden in beide Richtungen gesperrt.

Direkt zusammengestoßen

Der Frontalzusammenstoß bei Aachen, bei dem in der Nacht zu Samstag fünf Menschen ums Leben kamen, wurde wahrscheinlich durch zu schnelles Fahren verursacht. Ein 24 Jahre alter Mann habe die Kontrolle über sein Auto verloren und sei in den Gegenverkehr geraten, teilte die Polizei mit. Der Mann selbst sowie ein 19-Jähriger und eine 22 Jahre alte Frau in seinem Wagen kamen ums Leben. Eine 20 Jahre alte Mitfahrerin erlitt schwere Verletzungen. Im entgegenkommenden Auto starben ein 47 Jahre alter Mann und eine 45 Jahre alte Frau; eine 32-Jährige wurde schwer verletzt.

Zum Thema:

Zum ThemaSerienunfälle mit Todesopfern auf deutschen Autobahnen:Oktober 2011: Auf der Autobahn 93 bei Mainburg fahren 14 Autos ineinander. Eine Frau stirbt, 17 weitere Menschen werden verletzt. Nur 25 Kilometer entfernt stirbt ein Mann, als auf der A93 acht Fahrzeuge zusammenstoßen. September 2011: Nach einem Serienunfall auf der A5 bei Homberg/Ohm (Hessen) mit 36 beteiligten Fahrzeugen erliegt ein Baby seinen Verletzungen. Eltern und Schwester des Kindes sind unter den 37 Verletzten. April 2011: Acht Tote, rund 90 Verletzte und mehr als 80 demolierte Autos sind die Bilanz der schwersten Massenkarambolage in Deutschland seit 20 Jahren. Auf der A19 südlich von Rostock hatte Wind Sand von angrenzenden Äckern aufgewirbelt und für extrem schlechte Sicht gesorgt.Dezember 2010: Auf der A9 Berlin-München krachen nahe Weißenfels (Sachsen-Anhalt) 51 Fahrzeuge ineinander. Ein Mann stirbt, zwölf Menschen werden verletzt. Januar 2010: Bei einem Massenunfall in dichtem Nebel kommen in der Neujahrsnacht in Südbaden zwei Menschen ums Leben. An dem Unfall sind fast 50 Fahrzeuge beteiligt.