"Schluss mit dem Benzinpreiswahnsinn - Zeit für den Umstieg": Die Leipziger Verkehrsbetriebe wollen Autofahrern die "Öffentlichen" schmackhaft machen und erlauben seit Dienstag bis zum Freitag Freifahrten im gesamten Stadtgebiet. Einzige Bedingung: Als Ticket muss die Autozulassung vorgelegt werden.

Rund um den Leipziger Zoo, einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Messestadt, waren die Parkplätze am Dienstag zunächst noch weitgehend belegt. An der Zufahrt zu den Zoo-Parkhäusern bildeten sich, wie oft in Ferienzeiten, Autoschlangen. Bei etlichen haperte es wohl nicht am mangelnden Willen zum Umstieg, sie wussten wohl schlicht nichts von der Aktion, die den Verkehrsbetrieben neue Kunden bringen soll.

"Nein, leider. Davon habe ich nichts gewusst", sagte ein junger Vater, der mit seinem Sprössling aus dem thüringischen Sömmerda angereist war. Für ihn wäre es durchaus sinnvoll gewesen, das Auto am Stadtrand stehen zu lassen und mit den "Öffis" weiterzufahren. "Ich musste mir nämlich extra für die Fahrt hierher eine Umweltplakette kaufen", sagte der junge Mann.

Ein Großelternpaar, das mit seinem Enkelkind in den Zoo wollte, bedauerte, erst auf der Zugfahrt von Halle nach Leipzig von der Freifahrtmöglichkeit erfahren zu haben. "Das hätten wir auf jeden Fall gemacht. Eine schöne Idee", sagte der ältere Herr. Eine junge Leipzigerin sieht vor allem den Spaßfaktor für ihre beiden kleinen Kinder. "Wir sind Autofahrer. Deshalb wollen die Großeltern in den nächsten Tagen ganz viel mit den Kindern in Bus und Bahn unterwegs sein. Das macht ihnen großen Spaß und man kommt viel zu selten dazu.

" Der Preis für einen Liter Super hatte an vielen Leipziger Tankstellen am Vormittag wie andernorts auch die Marke von 1,70 Euro überschritten.

Nur wenige Stunden nach dem Start konnte Verkehrsbetriebe-Sprecher Reinhard Bohse noch keine exakte Bilanz ziehen. Nach den ersten Rückmeldungen der Kontrolleure sei die Resonanz größer als erwartet. "Sie haben schon eine ganze Menge Leute gefunden, die ihre Zulassungen vorgezeigt haben", sagte er. Letztendlich komme es darauf an, ob es gelinge, Autofahrer dauerhaft zum Umsteigen zu bewegen. "Neue Stammkunden gewinnen wir nur aus den Reihen der Nichtnutzer", sagte Bohse.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe decken ihre Kosten zu 75 Prozent selbst. Die Kommune schießt in diesem Jahr 45 Millionen Euro zu. In den vergangenen Jahren sei die Tendenz bei der Nutzung stetig steigend gewesen, sagte Bohse.

Das deckt sich mit dem deutschlandweiten Trend: 2011 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts mit 10,9 Milliarden so viele Fahrten wie nie zuvor bei Bussen und Bahnen. Jeder Bürger ist damit im vergangenen Jahr laut Statistik im Schnitt 134-mal mit Bussen und Bahnen unterwegs gewesen.