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| 01:29 Uhr

Ausweg aus der Spritpreisfalle

Ein Tank wie ein Rad: Bei der Umrüstung eines Fahrzeugs auf Auto- oder Flüssiggas wird der Behälter einfach in die vorhandene Reserveradmulde eingesetzt.
Ein Tank wie ein Rad: Bei der Umrüstung eines Fahrzeugs auf Auto- oder Flüssiggas wird der Behälter einfach in die vorhandene Reserveradmulde eingesetzt. FOTO: dpa
Harte Zeiten für Autofahrer: Die Preise für Benzin und Diesel liegen auf Rekordniveau – und daran dürfte sich in Zukunft kaum etwas ändern. Hinzu kommt, dass seit der letzten Preisrunde der Kostenvorteil von Dieselfahrzeugen dahin ist: Inzwischen ist der Liter Diesel an vielen Tankstellen genauso teuer wie der Liter Benzin – mitunter kostet er sogar mehr. Vielen Benziner- und Dieselfahrern laufen damit die Kosten davon. Doch es gibt einen Ausweg aus der Spritpreisfalle: Mit steigenden Kraftstoffkosten wird die Umrüstung gebrauchter Autos auf Flüssiggas interessanter. Von Felix Rehwald

"Aus Verbrauchersicht ist das durchaus eine vernünftige Variante", sagt Daniel Kluge vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Sie kommt vor allem für diejenigen infrage, für die sich ein Diesel wegen der hohen Spritpreise nicht mehr lohnt und die sich aus finanziellen Gründen keinen sparsamen neuen Benziner leisten können. Denn für die Anschaffung eines gebrauchten Benziners samt der 1800 bis 2800 Euro Umrüstkosten auf Flüssiggas - auch Autogas genannt - muss deutlich weniger investiert werden.
Hinzu kommt, dass Autogas laut Kluge bis zum Jahr 2018 von der Mineralölsteuer befreit ist. Dadurch sei es beim Tanken derzeit um rund die Hälfte günstiger als Benzin und Diesel. Nach Angaben des Deutschen Verbandes Flüssiggas (DVFG) beträgt der Durchschnittspreis von Flüssiggas in Deutschland rund 69 Cent.

Zum halben Preis tanken
Das ergibt beim Tanken einen erheblichen Preisvorteil, wie Kluge anhand eines Rechenbeispiels verdeutlicht: Bei einem Spritpreis von 1,50 Euro pro Liter, einem Durchschnittsverbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer und einer Fahrleistung von 15 000 Kilometern im Jahr zahlen Diesel- und Benziner-Fahrer jährlich rund 1800 Euro allein an Spritkosten. Bei Autogas wären es dagegen rund 900 Euro.
Laut DVFG-Geschäftsführer Robert Schneiderbanger kommen wegen der hohen Spritpreise immer mehr Autofahrer auf die Idee, ihr Fahrzeug auf Autogas umzurüsten. "Die Werkstätten sind total ausgelastet", sagt Schneiderbanger. Zurzeit belaufe sich der Bestand an Autogas-Fahrzeugen in Deutschland auf 250 000. Der Verband rechnet damit, dass es bis zum Jahr 2015 bereits rund eine Million oder mehr sein werden.
Allerdings muss vor einer Umrüstung geprüft werden, ob sich das Fahrzeug dafür auch eignet. So wird ein Benzinmotor nach Angaben des Verbandes der Motorinstandsetzungsbetriebe (VMI) in Ratingen im Gasbetrieb stärker belastet.
Der Umrüstbetrieb müsse wissen, ob der Motor diese Belastungen ohne weitere Eingriffe übersteht oder eventuell Umbauten am Motor erforderlich sind. Die Werkstatt sollte daher über die nötige Erfahrung für diese Arbeiten verfügen. VCD-Sprecher Kluge empfiehlt Interessenten, für sich auszurechnen, ab welcher Kilometerleistung sich diese Alternative lohnt.

Erdgasantrieb als Alternative
Eventuell sei auch die Anschaffung eines gebrauchten Erdgasfahrzeugs eine Alternative. Erdgas liege preislich auf einem ähnlichen Niveau wie Autogas, sei ebenfalls bis zum Jahr 2018 steuerbefreit und zudem aus Umweltsicht besser geeignet, da es bei der Verbrennung weniger CO 2 freisetzt. "Egal, für welche Technologie man sich letztlich entscheidet - man muss die Verbräuche der Fahrzeuge vergleichen", sagt Kluge. So sollte als Ausgangsfahrzeug für eine Gasumrüstung immer ein ohnehin verbrauchsarmer Benziner gewählt werden. Dann hat Kluge gegen auf Gas umgerüstete Benziner nichts einzuwenden: "Für die nächsten zehn Jahre kann man sie als Alternative empfehlen."

hintergrund Preise für Benzin und Diesel im Mai weiter gestiegen
 Die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen sind im Mai weiter gestiegen. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes mussten Autofahrer im vergangenen Monat durchschnittlich 1,49 Euro für einen Liter Superbenzin bezahlen - sechs Cent mehr als einen Monat zuvor. Ein Liter Dieselkraftstoff kostete 1,46 Euro und war damit 11,2 Cent teurer als im April.