Clive Palmer hat einen Traum. Und er hat Geld. Deswegen fehlt es an nichts, als der australische Bergbau-Millionär seinen Traum in New York präsentiert. Den Bauch des zum Museum umfunktionierten US-Flugzeugträgers "USS Intrepid" im Hudson River vor Manhattan hat er zum Ballsaal umgestalten lassen: Feinstes Geschirr, Kronleuchter, eingeflogene Spitzenköche, überdimensionale Blumengestecke, ein Orchester und eine Freiheitsstatue aus Pappe. Mittendrin stellt Palmer in der Nacht zum Mittwoch vor geladenen Gästen eine der wohl aufsehenerregendsten und verrücktesten Ideen der vergangenen Jahre vor: Die "Titanic II", ein fast exakter Nachbau des Jahrhundertschiffs, soll wiederauferstehen.

"Diesmal werden wir die Reise zu Ende bringen", sagt Palmer. Auch für die Pressekonferenz zieht er alle Register: Ein koreanischer Star-Gitarrist spielt "My Heart Will Go On", den Titelsong aus dem Film "Titanic" 1997. Dann zeigt ein kurzer Film die Schiff gewordene Vision des 58-Jährigen, unterlegt von dramatischen Walzer-Klängen. Warum er das Ganze mache, fragt ein Journalist. "Weil ich es kann", sagt Palmer.

Das etwa 270 Meter lange Schiff mit Platz für etwa 2500 Passagiere soll - anders als die Vorgängerin - nicht im nordirischen Belfast, sondern in China gebaut werden. "Ich lasse dort bereits vier Transportschiffe bauen und die machen einen guten Job", sagt der Millionär. In China sei er auch auf die Idee gekommen. "Ich sagte, das müsste eigentlich mal einer machen mit der ,Titanic', und mein chinesischer Kollege hielt mir quasi sofort den Vertrag unter die Nase."

Mit dem Projekt will er die alten Zeiten wieder aufleben lassen - nur natürlich ohne das tragische Ende. Damit die "Titanic II" auf ihrer für 2016 angesetzten Fahrt von Southampton nach New York nicht untergeht, wurde das Schiff mit neuster Navigationstechnik ausgestattet. "Es wird bei der Fertigstellung das sicherste Kreuzfahrtschiff der Welt sein", erneuert Chef-Designer Markku Kanerva ein vor über 100 Jahren schon einmal gegebenes Versprechen. Unsinkbar könne sein Schiff allerdings nicht sein, sagt Palmer. "Alles kann sinken, wenn du ein großes Loch rein reißt. Aber ein großer Vorteil der Klimaerwärmung ist, dass es nicht mehr ganz so viele Eisberge im Atlantik gibt." Auf der "Titanic II" liege kein Fluch. "Ich bin nicht abergläubisch."

Auch die Kopie der "Titanic" soll streng in drei Klassen unterteilt werden. Die fast 2500 Passagiere sollen in ihren Gruppen bleiben und seien dank ihrer Kleidung voneinander zu unterscheiden, erklärt Palmer sein geplantes Theater-Spektakel. Die Kleidung im Stil des frühen 20. Jahrhunderts bekomme jeder Gast entsprechend seiner Klassenzugehörigkeit und könne sich dadurch in die damalige Zeit versetzen - wenn er das denn wolle. "Ich persönlich würde gerne in die dritte Klasse. Ein bisschen auf die Trommel hauen oder auf der Geige spielen", sagt Palmer.

Zu den Kosten des Projekts will Palmer keine Angaben machen. "Hier geht es doch nicht um Geld. Hier geht es darum, eine Erinnerung aufleben zu lassen", sagt er. Geld habe er genug. "Einen ganzen Berg, den ich ausgeben will, bevor ich sterbe." Außerdem erwarte er, dass das Projekt ein großer finanzieller Erfolg wird, schließlich sei die Nachfrage schon jetzt weit größer als das Angebot. Das wäre ein neues Problem für den exzentrischen Multimillionär. "Dann muss ich ja einen noch größeren Haufen Geld ausgeben - und die "Titanic III" bauen."