Aus Anlass des 1000. Todestages von Bischof Thietmar von Merseburg (976-1018) ist seit Juli in der Stadt eine kulturhistorische Ausstellung über dessen Leben und Werk zu sehen. Unter dem Motto „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ werden rund 110 Exponate gezeigt, wie die Vereinigten Domstifter mitteilten.

Der einflussreiche Bischof im Reich der Ottonen habe mit seiner Chronik eines der bedeutendsten Geschichtswerke des Mittelalters in Europa verfasst. Anhand der Exponate mit Leihgaben aus dem In- und Ausland werden im Domensemble auf 400 Quadratmetern Kaiserkrönungen und Machtkämpfe von Herrschern ebenso wie die Sitten und Gebräuche, Nöte und Traumbilder der Menschen im Mittelalter dargestellt.

Zu den bedeutendsten Stücken zählt den Angaben zufolge das Merseburger Sakramentar, ein Gebetsbuch mit persönlichen Aufzeichnungen des Bischofs und der Initiale „T“ – für Thietmar. Eine Windfahne aus Oslo (Norwegen) zierte Schiffe, eine Kopie einer vergoldeten Altartafel ist das am weitesten gereiste Exponat, wie die Domstifter mitteilten. Schirmherr der Ausstellung ist Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Die Schau dauert bis 4. November.

Bischof Thietmar galt den Angaben zufolge auch als ein Vertrauter von Kaiser Heinrich II.. Er gab im 11. Jahrhundert den Auftrag für den Bau des Doms in Merseburg (Saalekreis). Der gut 1000 Jahre alte Dom St. Johannes und St. Laurentius gilt als einer der bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands.

Zum Domschatz gehören die Merseburger Zaubersprüche aus dem 10. Jahrhundert. Die originalen Blätter gelten als die einzig bekannten althochdeutschen Sprachzeugnisse, in denen die germanische Götterwelt beschrieben wird. Ihnen wurde eine magische Wirkung zugeschrieben.

  • Ausstellungsorte sind der Merseburger Dom und die benachbarte Curia Nova, heutige Willi-Sitte-Galerie. Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 18 Uhr. Eintrittspreise: neun Euro, ermäßigt sechs Euro.