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| 01:24 Uhr

Auslandszahlungen werden einfacher

Hürden bei der Kartenzahlung, lange Bearbeitungszeiten für Überweisungen und keine grenzüberschreitenden Lastschriftverfahren: Nationale Unterschiede erschweren den elektronischen Zahlungsverkehr in Europa. Mit der Einführung eines einheitlichen Zahlungsverkehrraums soll sich das nun ändern. Die „Single Euro Payments Area“ – kurz Sepa – soll Kunden langfristig eine schnellere und komfortablere Abwicklung im internationalen Zahlungsverkehr bringen. Von Nina C. Zimmermann

Teilnehmer an der Umsetzung von Sepa sind die 27 Länder der Europäischen Union sowie Liechtenstein, Island, Norwegen und die Schweiz. Die wichtigste Neuerung gehen die Banken im Januar 2008 an: Vom 28. Januar an sollen mehr als 1800 Institute in Deutschland Überweisungen nach dem neuen Standard verarbeiten - die Sepa-Überweisung kann auch für Zahlungen im Inland genutzt werden. Eine solche Überweisung soll innerhalb von drei Tagen ausgeführt werden - spätestens von 2012 an darf sie nur noch einen Tag dauern.

Gewinne zulasten der Kunden
Derzeit erwirtschaften Banken erhebliche Zinsgewinne zulasten der Kunden, wenn das Geld bei ihnen angewiesen, aber noch nicht gebucht ist. Das ist ein Punkt, den Verbraucherschützer wie André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum in Kehl mit Unbehagen beobachten. Mit der neuen Sepa-Überweisung soll es besser werden. Das Nebeneinander mehrerer Zahlungssysteme verschwindet - mit großer Wahrscheinlichkeit werden daher geringere Kosten entstehen, sagt Schulze-Wethmar. Es sei jedoch nicht gesagt, dass die Banken die Einsparungen an die Kunden weitergeben.
Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin geht davon aus, dass die Überweisungskosten bleiben, wie sie sind. Schon jetzt schreibt eine europäische Richtlinie vor, dass eine Auslandsüberweisung nicht teurer sein darf als eine im Inland, wenn sie in Euro ausgestellt ist und den Buchwert von 50 000 Euro nicht über steigt. Für eine Überweisung in englischen Pfund oder dänischen Kronen müssen Kunden eine herkömmliche Auslandsüberweisung nutzen, dafür fallen auch in Zukunft hohe Gebühren an.

Auslandskonto erübrigt sich
Sepa bringt dafür andere Vorteile. Denn auch Lastschriften werden europaweit vereinheitlicht. Bisher muss ein Kunde, der in anderen europäischen Ländern Rechnungen per Einzug begleichen wollte, etwa weil er ein Ferienhaus hat, dort ein Konto eröffnen. Künftig reicht ein nationales Konto, um im Ausland fällige Strom- oder Telefonrechnungen in Euro zu begleichen. Zahlungen sollen dann am Ende des folgenden Werktages gutgeschrieben werden. Dies wird nach Einschätzung von Roth aber erst Ende 2009 Wirklichkeit werden.
Vorgesehen ist auch, dass die einziehende Bank das Institut des Kunden künftig spätestens fünf Tage vorher informiert, wenn eine Abbuchung ansteht. Roth sieht darin ein großes Plus. Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam findet diese Informationspflicht eher überflüssig: "Wenn ich jemanden mit einer Lastschrift beauftrage, weiß ich das ja in der Regel." Er befürchtet, dass die Banken die Kosten dafür auf die Kunden abwälzen werden - und das, obwohl sie in ihrem eigenen Sicherheitsinteresse ohnehin prüfen müssen, ob das Konto gedeckt ist.
Noch eine weitere Neuerung bringt Sepa: So soll der Einsatz der EC-Karte einfacher werden, versprechen die Banken. Denn die Geldautomaten-Betreiber und Bezahlsysteme wie Maestro und V-Pay schließen sich zum Bündnis Euro Alliance of Payment Schemes - kurz Eaps - zusammen. "Das sorgt dafür, dass Kunden an noch mehr Stellen mit Karte bezahlen und Bargeld abheben können", erläutert Roth.
Verbraucherschützer bezweifeln aber, dass Kunden in diesem Punkt profitieren.
Informationen im Internet: www.bundesbank.de/zahlungsverkehr/zahlungsverkehr_sepa.php

hintergrund Die neue Sepa-Überweisung
 Die Sepa-Überweisung entspricht der heute gängigen EU-Standardüberweisung. Der Kunde muss auf dem Formular seine internationale Kontonummer IBAN - ein 22-stelliger Code inklusive Landeskennung und Prüfziffer - sowie die BIC, die Ziffernfolge zur Identifizierung der Bank, eintragen. Beim Ausfüllen des Formulars erwartet Kunden nach Einschätzung von Verbraucherschützern etwas mehr Schreibarbeit als bisher. Sie befürchten auch, dass bei den langen Ziffernfolgen leichter Fehler passieren.