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Ausbildung ist Firmenphilosophie

Der 16-jährige Max Rieger fühlt sich in seinem Ausbildungsbetrieb von Marco Hammer (r.) wohl. Er wollte gern Zweiradmechatroniker werden und in der Region lernen.
Der 16-jährige Max Rieger fühlt sich in seinem Ausbildungsbetrieb von Marco Hammer (r.) wohl. Er wollte gern Zweiradmechatroniker werden und in der Region lernen. FOTO: Birgit Rudow
Herzberg. Selbst für den beruflichen Nachwuchs in der Firma sorgen – das wünschen sich viele Einzelhändler in Herzberg. Allerdings ist das nicht immer so einfach. Marco Hammer, Inhaber von Marco's Zweiradshop, hat jetzt wieder einen Lehrling eingestellt - und er hofft, dass er bleibt. Birgit Rudow

"Du musst die Speiche rausdrehen", erklärt Marco Hammer dem neuen Azubi in seiner Firma, als ein Kunde mit Fahrrad-Problemen in der Tür steht. Seit einigen Wochen gehört Max Rieger zum Team in Marco's Zweiradshop in Herzberg. In den nächsten dreieinhalb Jahren erlernt er den Beruf des Zweiradmechatronikers in der Fachrichtung Fahrrad. Max freut sich, die Ausbildungsstelle bekommen zu haben. "Ich habe zu Hause schon an Rädern rumgeschraubt und wollte diesen Beruf gern erlernen. Besonders wichtig war mir, dass ich das in der Region Herzberg machen kann", sagt der 16-Jährige. Für seinen Chef Marco Hammer ist Ausbildung ein wichtiges Thema. Der Kfz-Mechaniker-Meister und Zweiradmechaniker hat eine Ausbildungsbefugnis und Ausübungsberechtigung für mehrere Berufe in seiner Branche - vom Kfz-Mechatroniker bis zum Einzelhandelskaufmann. Ohne Ausbildungsbefugnis geht nichts, sagt er.

2001 hat er Marco's Zweiradshop eröffnet. Hier gibt es Fahrräder, Motorräder, Quads, Roller, das nötige Zubehör und den dazugehörigen Service. "Sechs Leute haben immer gut zu tun", so Marco Hammer. Er hat schon sechs Azubis ausgebildet. Gedacht waren sie immer für das eigene Geschäft. "Es macht nur Sinn, wenn man die jungen Leute nach dem Abschluss der Lehre auch behalten möchte", so der 43-jährige Firmenchef.

Doch da fangen die Probleme an. Nur einer seiner Lehrlinge ist bisher geblieben. "Wenn man für die Ausbildung Geld, Zeit und Nerven investiert, ist es schon frustrierend, wenn die Jungs woanders hingehen. Gute Leute finden überall einen Job. Früher war es der Wehrdienst, in den sie nach der Lehre verschwunden und dann nicht wiedergekommen sind. Heute lockt das Geld in größeren Betrieben und anderen Bundesländern, oder die Freundin hat andere Pläne", sagt Marco Hammer. Er hofft, dass Max in der Ausbildung gut einschlägt und dann in seiner Firma in Herzberg bleibt.

Auch Roland Steglich vom Büro-Service Steglich in der Leipziger Straße in Herzberg hat schon Lehrlinge übernommen und würde gern wieder eine richtig gute junge Kraft nach der Ausbildung einstellen. Roland Steglich bildet Einzelhandelskauffrauen aus - ein Beruf, der laut Agentur für Arbeit bei jungen Mädchen in Elbe-Elster sehr beliebt ist. Derzeit hat er zwei junge Frauen in der Ausbildung im ersten und zweiten Lehrjahr. "Ich habe schon immer ausgebildet. Meine Lehrlinge haben alle im Berufsleben Fuß gefasst. Seit etwa sechs Jahren wird es aber immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden", sagt er. Dieses Problem sieht auch Doreen Arnold. Sie ist Inhaberin des Augenoptikergeschäftes in der Rosa-Luxemburg-Straße in Herzberg. Alle drei Angestellten, die sie beschäftigt, haben bei ihr ihre Ausbildung zum Augenoptiker durchlaufen. "Viele unserer Lehrlinge sind auch in die weite Welt hinausgezogen und woanders etwas geworden", sagt sie. Auch in diesem Jahr hat wieder ein Azubi ausgelernt. Neu eingestellt hat Doreen Arnold aber diesmal niemanden. "Wir sind ein kleiner familiärer Betrieb. Da muss es mit den Bewerbern auch passen", sagt sie. Passende Azubis hat Sven Konrad, Chef der Konrad Bäckerei und Café GmbH, für die Filialen in Herzberg und Bad Liebenwerda gefunden. Die beiden jungen Frauen erlernen im 2. Lehrjahr den Beruf der Bäckereifachverkäuferin. "Ich bin mit beiden sehr zufrieden" sagt Sven Konrad. Ausbildung gehört bei ihm zur Firmenphilosophie. "Wir bilden Bäcker, Verkäuferinnen und Bürokräfte aus. Dem Fachkräftemangel kann man mit eigenem Nachwuchs gut begegnen", so Sven Konrad.

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