Immer wieder ist es ein Kräftemessen zwischen Mensch und Natur, wenn Flüsse anschwellen und sich ihren Weg in die Häuser suchen. Oder das Grundwasser gnadenlos von unten durch die Abwasserrohre in den Keller drückt. Aber der Mensch kann sich vorbereiten und zumindest dafür sorgen, dass im Fall der Fälle die Schäden nicht so schlimm sind. Denn die nächste Flut kommt bestimmt.

Als Gebiet mit mittlerer Hochwasserwahrscheinlichkeit gilt laut Wasserhaushaltsgesetz bereits eine Region, die statistisch gesehen einmal in 100 Jahren geflutet wird. Viele Orte stehen aber alle paar Jahre unter Wasser. Allerdings werde selbst dort meist nicht genug Wert auf präventive Maßnahmen im Haus selbst gelegt, sagt Prof. Norbert Gebbeken von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. "Vor allem jetzt, wo das Hochwasser weg ist und man aufräumt, kann man hier einiges besser machen."

Zum Beispiel im Keller: Läuft er immer wieder voll, sollten hier keine Wohnräume sein. "Sondern man nutzt ihn nur als Speicher oder für einen Werkraum", erläutert Gebbeken. Häufig reicht es nicht aus, Wände und Böden nur zu trocknen - viele Materialien greift das Wasser so an, dass sie herausgerissen werden müssen. Von Holz kennt das jeder. Aber auch der so beliebte Estrich quillt auf, sagt Gebbeken. Wer hier nun einen neuen Boden ziehen muss, sollte Industriebeton wählen.

Teuer wird der Schaden unter Umständen bei einer Fußbodenheizung. Denn die Schlaufen sind im Boden verlegt. Selbst wenn der Estrich die Flut übersteht, muss er angebohrt werden, um richtig trocknen zu können. Und hier ist das Problem: "Sie wissen nicht, wo die Schlaufen liegen, und wenn Sie den Estrich anbohren, können Sie Ihre Fußbodenheizung zerstören", sagt der Professor für Baustatik an der Universität der Bundeswehr in München.

Laut Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums sind wasserfeste Materialien Kalk, Zement, Steinzeugfliesen und diverse gebrannte Baustoffe. Als Bodenbeläge eignen sich Natursteine wie Granit und Dolomit, Kunststein und Epoxidharzoberflächen, für Wände taugen Kalksandstein, gebrannte Vollziegel, Klinker und ebenfalls Beton. Rüdiger Mattis vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Leipzig empfiehlt, die Räume besser mit Kalkzement zu verputzen. Gips putz hingegen quillt auf und muss erneuert werden.

"Alle Dämmstoffe sind ein Problem", erläutert Gebbeken. Sie nehmen durch ihre großen Poren Feuchtigkeit wie ein Schwamm auf. Besonders anfällig sind biologische Dämmstoffe wie Holzfasern, Hanf und Schafwolle. "Am besten schließen noch Hartschaumstoffe wie Polystyrol ab. Sie bleiben auch formstabil." Außerdem empfiehlt der Baustatik-Professor mineralische Dämmstoffe wie Steinwolle. Häuser können durch Hochwasser auch ein statisches Problem bekommen. Hat die Bodenplatte keine Stahlbewehrung, bricht sie schlimmstenfalls unter dem Druck von Grund- oder Stauwasser ein. Die Stahlbewehrung lässt sich aber nachrüsten, sagt Gebbeken. Auch abgehängte Decken aus Gipskartonplatten oder Wände aus dem Leichtbaumaterial können gefährlich werden. "Sie saugen sich sofort voll Wasser - und fallen dann womöglich herunter", sagt Gebbeken.

In Gebieten, die regelmäßig von Fluten heimgesucht werden, sieht die DIN 18015-1 vor, dass der Kasten für die Hausanschlüsse sowie der Verteiler- und Zählerkasten an einem Punkt im Haus installiert sind, der über der üblichen örtlichen Flutgrenze liegt. Die HEA - Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung in Berlin leitet daraus ab, dass diese Technik am besten mindestens einen halben Meter darüber liegen sollte.

Die Kästen können nachträglich verlegt werden - aber dies muss mit dem Netzbetreiber abgestimmt werden. Die HEA empfiehlt auch, getrennte Stromkreise für einzelne Stockwerke einzurichten. So wird etwa das erste Geschoss und der Keller von der Versorgung genommen, ohne dass die Wohnräume in höheren Etagen davon betroffen sind. Das schützt davor, dass Bewohner geflutete Räume nicht betreten und auspumpen können. Denn steht hier das Stromnetz noch unter Spannung, kommt es zu tödlichen Stromschlägen.

Davon betroffen ist auch die Technik der Solaranlage. Denn scheint die Sonne auf die Module auf dem Dach, stehen Anschlusskasten und Wechselrichter unter Spannung - selbst wenn der Energieversorger das allgemeine Stromnetz abgestellt hat. Die Technik in kleinen Kammern unterzubringen, die während einer Flut nicht regelmäßig gelüftet werden, ist eine schlechte Idee: Hier bildet sich schnell explosives Knallgas, erklärt der Tüv Rheinland.

Wasserdichte Fenster und Türen bieten zusätzlichen Schutz. Mattis vergleicht diese mit Bullaugen in einem Schiff. Sie sind fest verbunden mit dem Mauerwerk und haben eine Gummidichtung. Doch das reicht nicht immer. Manchmal überfluten Keller, selbst wenn das Flusswasser noch weit entfernt ist: Das Grundwasser oder Abwasser aus der Kanalisation kann durch die Rohre nach oben drücken, erläutert VPB-Experte Mattis. Eine Rückstauklappe, die das Rohr im Ernstfall verschließt, hilft hier oft. Meistens wird diese Klappe in der Sammelleitung installiert.

Letztlich können Hausbesitzer sogar das Wasser zumindest bis zu einem gewissen Pegel davon abhalten, ins Haus zu fließen: Mit mobilen Schutzwänden, die eine bis zu 2,50 Meter hohe Barriere darstellen. Vorrichtungen für die Wände muss es aber schon an der Terrasse, an Türen, Fenstern und Lichtschächten geben - und im Notfall werden nur die Wände eingezogen, erläutert Gebbeken. "Bis zum ersten Stockwerk würde ich alle Öffnungen, durch die Wasser eindringen kann, damit ausrüsten."

Und dazu rät er selbst an Orten, wo eine Flut statistisch gesehen nur alle 100 Jahre droht. "Denn das ist das Katastrophale an der Katastrophe: Die Menschen sagen immer, das sei unvorstellbar", sagt Gebbeken. "Aber das ist es nicht. Und das hatten wir alles auch schon."