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Bergung
Trauerweiden schweben in Weißwasser von dannen

Stück für Stück wird die Trauerweide aus dem Jahnteich gezogen.
Stück für Stück wird die Trauerweide aus dem Jahnteich gezogen. FOTO: Regina Weiß / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Weißwasser. Was Sturm Xavier angerichtet hat, das hat noch am Donnerstag Feuerwehr, Bauhof und Kranunternehmen beschäftigt. Sie „angelten“ Bäume. Von Gabi Nitsche und Regina Weiß

Die Trauerweiden machen es den Feuerwehrleuten und den Mitarbeitern des städtischen Wirtschaftshofes Weißwasser am Donnerstagvormittag nicht leicht. Das im doppelten Sinne: Zum einen sind es Schwergewichte, die Xavier umgestürzt hat, zum anderen sind sie nicht so einfach aus dem Wasser zu holen. Sie liegen dort, wo keine Technik richtig hinkommt. Da heißt es rudern. Die Feuerwehr setzt über, befestigt an den Stämmen Seile. Dann muss die Seilwinde des Feuerwehrautos ran. Diese zieht den Baumriesen übers Wasser. Von weitem sieht es aus, als bewege er sich wie von Geisterhand. Doch die Geister sind nun wirklich nicht mit im Spiel.

Wie alt die vier Baumriesen sind, die der Sturm Anfang Oktober zu Fall gebracht hat, weiß keiner so genau. Fotos aus den 30er-Jahren zeigen die Bäume schon. Jahrzehnte sind sie größer und größer geworden und haben Schatten gespendet. Das Holz sieht jedenfalls gesund aus. Teilweise muss der Wind so heftig gewesen sein, dass die Bäume im Stamm gebrochen sind. Sie einfach so aufs Ufer zu ziehen, ist illusorisch.

Deshalb rückt am Donnerstag der Kran an. Norbert Branzko steuert sein Gefährt von der Kran und Transport Lausitz OHG aus Schleife an. Nach „Bäumen zu angeln“, das muss er auch nicht jeden Tag machen. Mit Kette am Haken und mehreren Seilen wird der Baumstamm festgemacht.

Andreas Hanl und Karsten Päßler von der Feuerwehr „turnen“ deshalb am Ufer rum. Dann bewegt sich was. Aber nur kurz. Es kracht. Ein Ast landet wieder im Wasser. Und dann nimmt die Trauerweide endlich Fahrt auf. Sie schwebt aufs Trockene. Rund sechs Tonnen hängen am Haken. Gut eine Stunde hat das Prozedere gedauert. Drei weitere Bäume warten noch ...

Es hätte wohl niemand gedacht, dass Xavier so wütet und es Wochen braucht, bis alle Schäden behoben sind. Die Feuerwehrkameraden aus Weißwasser haben 28 Einsätze zu Buche stehen, und da ist das aktuelle Geschehen am Jahnteich nicht eingerechnet, sagt Wehrleiter Gerd Preußing. „Und am ,Jahn’ arbeiten ja Kameraden Hand in Hand mit Kollegen vom Wirtschaftshof, manche auch in doppelter Rolle.“ 25 Einsätze hatte bis Donnerstag allein das Team des Wirtschaftshofes an den verschiedensten Stellen in der Stadt absolviert. Die Abarbeitung der Schäden richtete sich nach der Gefährdung, so Preußing. Und der Jahnteich gehörte von Anfang an zu den Problemzonen, wo feststand, dass es ohne Kran nicht funktioniert. „Wie gewaltig das Sturmtief Xavier war, sieht man daran, dass Weidenäste in sieben bis neun Meter Höhe abgebrochen sind und Durchmesser von 30 bis 40 Zentimeter haben.“ Zum Teil waren diese wirklich heruntergebrochen, zum Teil hingen sie noch im Baum. „Wenn die Arbeiten am Jahnteich abgeschlossen sind, dann haben wir praktisch ein Problem gelöst, sprich die Gefährdungen duch die Bäume aus der Welt geschaffen, aber ein neues ist entstanden.“ Der Weißwasseraner, der nicht nur Wehrleiter ist, sondern auch Referatsleiter der Stadtverwaltung, sieht die zerschundenen Wege nach dem Einsatz der Großtechnik und weiß um die finanzielle Situation der Stadt. „Da müssen wir mal schauen“, bleibt er optimistisch. Das ist er auch, was die Stubben angeht, die von einst starken Bäumen übrig blieben. Er hofft, dass diese wieder austreiben.

Von der langen Liste der Schäden sind noch zwei übrig. Ein angeknackster Baum steht am Korczak-Haus, einer am Rundweg an der Eisarena. Aber es sei denkbar, sagt Gerd Preußing, dass weitere nur noch locker im Erdreich stehen und beim nächsten kräftigeren Wind umfallen. „Vorsicht ist also weiterhin vonnöten.“

Andreas Hanl und Karsten Päßler von der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser legen an der Trauerweide neue Seile an.
Andreas Hanl und Karsten Päßler von der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser legen an der Trauerweide neue Seile an. FOTO: Regina Weiß / Medienhaus Lausitzer Rundschau
So liegen die Bäume im Jahnteich, nachdem sie die von der Feuerwehr übers Wasser gezogen wurde.
So liegen die Bäume im Jahnteich, nachdem sie die von der Feuerwehr übers Wasser gezogen wurde. FOTO: Regina Weiß / Medienhaus Lausitzer Rundschau