Die ersten zwei Jahre in Deutschland waren für alle drei Frauen die schwierigste Zeit. Fremde Sprache, unbekanntes Land, andere Mentalität und weg vom gewohnten Freundeskreis. "Im Jahr 2000 bin ich nach Luckau gekommen", erzählt Ludmila Graf, die ursprünglich aus Nordkasachstan stammt. Gemeinsam mit ihren Eltern und zwei Kindern hat die 56-Jährige damals ihre russische Heimat verlassen. Verbunden mit der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen für die aus ärmlichen Verhältnissen stammende, rüstige Frau. "Zwei Sprachkurse habe ich anfangs absolviert, ein Praktikum bei der Landesgartenschau in Luckau gemacht und Minijobs angenommen", so Ludmila Graf.

Tamara Weber kommt aus Nowosibirsk. Die 62-Jährige ist 2004 mit ihrer Mutter nach Deutschland übergesiedelt. "Zunächst bin ich in einem Übergangswohnheim in Görlsdorf untergekommen, später bekam ich eine Wohnung in Luckau", sagt Tamara Weber. Dort lernte sie Ludmila Graf kennen. Heute sind die Frauen beste Freundinnen. "Am schwierigsten ist für uns immer noch der Umgang mit Behörden", berichten die beiden. Konkret meinen sie die typische Bürokratie: komplexe Antragsverfahren, den Paragrafendschungel und die für sie schwer verständliche Amtssprache.

"Über die Zahl der in Dahme-Spreewald lebenden Aussiedler gibt es keine exakten Daten, da sie von den Sozialämtern nicht gesondert erfasst werden", sagt Janet Grund von der Pressestelle des Landratsamtes. Aussiedler gelten als Deutsche und werden von den Einwohnermeldeämtern geführt, so die Kreisverwaltung. Von den im Jahr 1991 aufgenommenen rund 40 000 Spätaussiedlern leben laut Brandenburger Sozialministerium noch etwa 20 000 in Brandenburg. Spätaussiedler sind deutschstämmige Einwanderer mit Familienangehörigen aus osteuropäischen Ländern. Sie haben einen Anspruch auf Aufnahme in der Bundesrepublik und werden eingebürgert, wenn ihre Abstammung und die Verbundenheit zum deutschen Volkstum nachgewiesen sind. Inzwischen liegt das Verhältnis von deutschstämmigen Zuwanderern zu mitziehenden Familienangehörigen bei etwa 24 zu 76 Prozent, so das Sozialministerium. Das Land Brandenburg hat 3,5 Prozent der bundesweit aufgenommenen Spätaussiedler aufzunehmen. Alle zugewiesenen Aussiedler durchlaufen die Aufnahmestelle des Landesamtes für Soziales und Versorgung in Peitz und werden von dort auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilt.

So wie Helena Kuhtz. Die junge Frau lebt seit 18 Jahren in Deutschland, ist seit 15 Jahren mit einem deutschen Mann verheiratet, hat inzwischen eine fünfjährige Tochter. Die 35-Jährige kommt aus Prokopjewsk nahe Nowosibirsk. "Meine Großeltern sind Wolgadeutsche, wurden 1939 nach Sibirien vertrieben", berichtet Kuhtz. Ihr Vater ist Russe, ihre Mutter deutschsprachig.

Für Helena war der Neuanfang in Deutschland schwer. "Zu Beginn war ich wie im Schockzustand. Die Freunde waren weg, wir mussten alles neu aufbauen", erinnert sich die junge Frau. Über Hamm und Peitz kam sie mit ihrer Familie 1996 nach Lübben. Helena Kuhtz lernte die deutsche Sprache, machte ihre Fahrerlaubnis und schloss eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation ab. "In Cottbus legte ich mein Fachabitur ab. Seit 2002 bin ich nun in der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald beschäftigt", sagt Kuhtz. Die 35-Jährige hat sich angepasst. "Man muss nur im Kopf umschalten und einen eisernen Willen haben."

Doch kann der Weg zur Integration recht steinig sein. "Die Dauer der Asylverfahren in Brandenburg ist immer noch zu lang", sagt Elke Voigt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald. "Hierfür gibt es leider keine gesetzliche Grundlage." Schwierig sei auch die Unterbringung in Wohnheimen. "Es gibt wenig freien, bezahlbaren Wohnraum für Aussiedler", so Voigt. Hinzu kämen langwierige Antragstellungen bei den Behörden. Ob Eingliederungshilfen, Kostenübernahmen für Sprachkurse oder Rentenanträge, für Aussiedler sind das oft komplizierte bürokratische Hürden.

Dennoch fühlen sich Tamara Weber, Ludmila Graf und Helena Kuhtz inzwischen in der Region heimisch. "Wir wollen definitiv in Deutschland bleiben."

Zum Thema:
Die bundesweite interkulturelle Woche läuft unter dem Motto "Wer offen ist, kann mehr erleben" mit vielen Veranstaltungen in den Landkreisen. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Bekämpfung von Rassismus. Kathrin Tupaj, Integrationsbeauftragte des Landkreises OSL, nennt einige Höhepunkte: Donnerstag, 26. September, 10 bis 14 Uhr, Kreisvolkshochschule Senftenberg, Jahnstraße 32: "Interkulturelle Kompetenzen" (Seminar für Verwaltungsmitarbeiter). Sonnabend, 28. September, 14 bis 17 Uhr, Netzwerkstelle "Jugendarbeit und demokratische Kultur", Schulstraße 1: Familientag für Toleranz und Demokratie und Konzert "Senftenberg gegen Rechts". Sonnabend, 28. September, 8 bis 19 Uhr, Fahrt in die Gedenkstätte Sachsenhausen mit dem Selbsthilfeverein Senftenberg / Rosa-Luxemburg-Stiftung.