Je nach Verbrauch kann der Wechsel des Stromanbieters einige Hundert Euro pro Jahr bringen, berichtet die Stiftung Warentest in der September-Ausgabe ihrer Zeitschrift "test" nach eingehender Untersuchung von elf Tarifrechnern. Die kostenlosen Angebote heißen tarifvergleich.de, verivox.de, toptarif.de, wer-ist-billiger.de, findhouse.de oder energieverbraucherportal.de. Die Internetrechner sind nach Einschätzung von "test"-Redakteur Thomas Müller für Privatleute zu wichtigen Hilfsmitteln geworden, denn auf dem deutschen Strommarkt sind mittlerweile nicht nur rund 900 Stromanbieter vertreten. "Von denen gibt es auch noch einige, die Dutzende von Tarifen haben." Doch als Wechselwilliger rasch einen billigeren Anbieter zu finden, ist nicht einfach. Die günstigsten Tarife waren längst nicht auf allen Portalen komplett vertreten. Wenig Auswahl für LausitzerLausitzer, die sich beispielsweise bei stromtarife.de einen Überblick verschaffen wollen, bekommen trotz lokaler und bundesweiter Abfrage im Durchschnitt lediglich zwei verwertbare Angebote präsentiert. Meist ist nicht einmal der regionale Versorger darunter vertreten oder es wird wie bei den Stadtwerken Cottbus noch am 29. September ein Tarif angezeigt, der ab 1. Oktober schon wieder überholt ist. Auch die Warentester bewerteten stromtarife.de mit "mangelhaft". Das gilt ebenso für die Internet-Vergleichsportale stromtip.de, stromforyou.de sowie energieboerse-deutschland.de. Hinter veralteten Tarifen steckt oft gar nicht Schludrigkeit der Anbieter, erklärt Christian Michaelis, Energieexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Es gibt Tarifrechner, die von den Stromversorgern bevorzugt werden" - und andere, die neue Tarife erst viel später oder überhaupt nicht mitgeteilt bekommen. Einen heißen Draht zu den Stromanbietern hat offenbar verivox.de. Das Portal schnitt im Stiftung-Warentest-Vergleich als einziges mit "sehr gut" ab. Wechselwillige Lausitzer können hier mitunter aus mehr als 70 Angeboten wählen. Cottbuser mit einem Jahresstromverbrauch von 2500 Kilowattstunden bekommen hinter den sehr günstigen Anbietern, die Vorauskasse verlangen, beispielsweise den Vattenfall-Onlinetarif für 515 Euro auf Platz 10, das enviaM-Online-Angebot für 577,79 Euro auf Platz 25 sowie den ab 1. Oktober gültigen Privat-Plus-Tarif der Stadtwerke Cottbus für 610,27 Euro auf Platz 48 aufgelistet. Weißwasseraner mit demselben Stromverbrauch zahlen dem Internetrechner zufolge bei Vattenfall 540 Euro (Platz 7), bei Erdgas Südsachsen 564 Euro (Platz 15) und bei den Stadtwerken Weißwasser 583,70 Euro (Platz 29). In Senftenberg liegt Vattenfall mit 515 Euro pro Jahr auf Platz 6, Clevergy mit 540,18 Euro auf Platz 11 und die Stadtwerke Senftenberg mit 547,97 Euro auf Platz 14. Erfreulich: Die Verivox-Daten unterscheiden sich von den Angaben, die die drei regionalen Stadtwerke auf ihren eigenen Internetseiten machen, nur im Cent-Bereich. Gute Rechner bieten guten Service"Kunden sollten aber nicht nur auf den Preis achten, sondern sich auch die Vertragsbedingungen anschauen", sagt Thomas Müller. Und genau daran lässt sich ein guter Tarifrechner von einem weniger guten unterscheiden. Ein gutes Portal, zu denen die Stiftung Warentest tarifvergleich.de, toptarif.de und wer-ist-billiger.de zählt, gibt dem Nutzer Auskunft darüber, wie lange er sich bei einem Tarif bindet, um welche Dauer sich der Vertrag bei einer nicht fristgerechten Kündigung verlängert oder auch, was eine Preisgarantie ist. "Bei einem guten Rechner kann ich den Tarif einfach anklicken und bekomme dann auf einer zweiten Seite die näheren Informationen zum Tarif und auch zum Anbieter", sagt Verbraucherschützer Michaelis. Auch Filterfunktionen bei der Tarifsuche sprechen für ein empfehlenswertes Portal: Der Nutzer kann dann neben seiner Postleitzahl und dem Jahresverbrauch etwa auch angeben, ob er zur Vorkasse bereit ist. Die Mehrzahl der Portale finanziert sich nach Müllers Worten über Provisionen. "Das kann dann dazu führen, dass es einen ,Tipp der Redaktion' gibt" - also einen Hinweis auf einen Anbieter, der dem Portal Provisionen bezahlt. "Davon sollten sich Kunden nicht verführen lassen." Bisher seien aber keine Fälle festgestellt worden, bei denen Tarife von kooperierenden Anbietern in der Suchliste nach oben gerückt worden wären.