ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:44 Uhr

Auf den Spuren der Ursula von Wätjen

Babben. "Der Mensch sollte im Einklang mit der Natur leben. Es sollte ein gegenseitiges Nehmen und Geben sein." Darüber waren sich die Teilnehmer der Wanderung durch den Ursula-Grund bei Babben einig. Steffen Vogel

Rangerin Monika Gie rach vom Naturpark Niederlausitzer Landrücken hatte für Sonnabend zu einer Wanderung durch den östlich von Babben gelegenen Ursula-Grund eingeladen. Überrascht zeigte sie sich von der Anzahl der Interessierten, die dem Aufruf gefolgt waren. 35 Personen und ein Hund hatten sich aus Babben selbst, aus dem Nachbardorf Schrackau und der Region um Calau, Luckau und Finsterwalde vor der Gaststätte Fiebig eingefunden. Einige Crinitzer waren sogar zu Fuß gekommen.

Bei Temperaturen um minus sechs Grad Celsius und frostigem Ostwind konnte Beagle-Hündin Anna es kaum erwarten, dass es los ging. So startete die Wandergruppe, lief auf dem Rehainer Weg an der Schule vorbei und musste schon nach wenigen Metern wieder stoppen, um die nicht ganz ernstzunehmenden Hinweise der Babbener "Wetterstation" zu verinnerlichen.

Ein paar Meter weiter erreichte die Gruppe den ersten angestauten Teich, den die kleine Schrake durchquert. Das Quellgebiet befindet sich zwischen ein paar Grundstücken westlich der Kirche und ist durch einen gemauerten Ring aus Klinkersteinen deutlich zu erkennen. Der Name kommt aus dem Altniedersorbischen und benennt mit "Srok" das Gebiet, in dem es viele Elstern gibt. Der Bachlauf ist heute weitgehend trocken, Grund dafür sind sicher auch die abgesenkten Grundwasserspiegel, die für das Betreiben der Braunkohlentagebaue in der Umgebung notwendig waren und sich nur langsam wieder erholen. Die Stauteiche werden heute überwiegend durch Regen- und Grundwasser gespeist.

Mit zügigem Schritt nach links verließen die Wanderer den Rehainer Weg und erreichten bald mit dem Schwimmbad den zweiten Stauteich der Schrake. Der Campingplatz ist weithin bekannt und wurde viele Jahre zu Pfingsten für Motorradtreffen genutzt. Rechts vom Weg befindet sich einige Meter entfernt der Bogenschießplatz, auf dem zahlreiche Wettkämpfe stattfinden. Monika Gierach wies auf die lange und recht alte Rhododendron-Hecke hin, die für unsere Region schon eine Besonderheit darstellt und besonders während der Blüte im Mai die Blicke der Besucher auf sich zieht.

Geschichte des Namens

Mit dem Erreichen des Waldes kam die Gruppe zum eigentlichen "Ursula-Grund". Die Namensgebung liegt in der Geschichte begründet. Das kleine Heidedorf Babben gehörte geschichtlich schon immer zur Herrschaft Drehna. Als erste Herren wurden die von Drausch witz 1447 erwähnt, denen 1489 die von Maltitz und 1521 die von Minckwitz folgten. Ab 1697 sitzen die von Promnitz auf Drehna und verkaufen 1792 an die Grafen zu Lynar auf Lübbenau, die 1807 in den Fürstenstand erhoben wurden und damit auch ihren Sitz Drehna mit dem Zusatz Fürstlich versahen, was in Deutschland einzigartig ist. 1877 kauft der Bremer Reeder Christian Heinrich von Wätjen die damals rund 20 000 Morgen umfassende Herrschaft Fürstlich Drehna. Dessen Sohn Carl war in erster Ehe mit Ursula von Dietze verheiratet, die sich sehr für die Natur interessierte und besonders den Bachlauf der Schrake bei Babben ins Herz geschlossen hatte. Sie starb 1899 bei der Geburt des Sohnes Klaus Wilhelm. Später wurde ihr zum Andenken das Waldstück östlich von Babben als Ursula-Grund bezeichnet.

100-jährige Buchen

Inzwischen hatte die Wandergruppe einen etwa 100-jährigen sehr schönen Buchenbestand passiert, den alten Babben - Schrakauer Weg überquert und den Lauf der Schrake, die an dieser Stelle doch Wasser führt, erreicht. Der ausgeschilderte Weg führte über mehrere kleine Holzbrücken zu zwei großen Gedenksteinen mit Holzkreuz. Hier erinnern zwei Gedenktafeln an Carl von Wätjen und seinen Sohn Klaus Wilhelm, der zum Ende des 1. Weltkrieges im September 1918 in Cambrai / Frankreich gefallen ist. Einige Teilnehmer der Wanderung können sich daran erinnern, dass diese Gedenktafeln zu DDR-Zeiten von einem ortsansässigen Oberförster mit Teer überstrichen worden war.

Die Erinnerungen reichen aber auch dahin zurück, dass der umgebende Wald immer recht finster war, nun aber im Lauf der Jahrzehnte doch recht hoch ist und auch an diesem trüben Wintertag etwas Licht durchlässt.

Zahlreiche Fragen zu den hier vorkommenden Tieren und Pflanzen können von Monika Gierach und dem in Babben wohnenden Carsten Perl und seinem Vater beantwort werden.

Storch- und andere Geschichten

So auch die Frage nach dem Schwarzstorch, den es seit ein paar Jahren wieder in unserer Region gibt.

Damit kommt die Gruppe zu der abschließenden Meinung: Natur und Mensch lassen sich nicht trennen, beide müssen eine Gemeinschaft bilden. Auch zu den Themen Biber und Wolf müssen Kompromisse gefunden werden.

Die Schrake verläuft jetzt weiter Richtung Nordosten, vereinigt sich bei Mallenchen mit der Schuche und wird östlich von Lichtenau als Dobra bezeichnet, die östlich von Boblitz in den Südumfluter der Spree fließt.

Mit vielen Erzählungen und Anekdoten aus früheren Zeiten erreicht die Wandergruppe nach etwa zwei Stunden wieder den Ausgangspunkt an der Gaststätte Fiebig, wo schon der Wirt in der gut beheizten Gaststube mit Speisen und Getränken wartete.