Karl Friedrich Techell (1759 bis 1846) war ein angesehener Bautzener Bürger, Stadtrat und Kupferschmied von Profession. Wenn er sein Tagwerk beendet hatte, setzte er sich an den Küchentisch und schrieb. Dabei verarbeitete er alles, was er über seine Heimatstadt "in die Finger" bekam, aber auch eigene Erlebnisse und Geschehnisse aus der ganzen Welt.

Als Ergebnis dieser einzigartigen Fleißarbeit entstand ein Werk von nahezu monströsem Umfang - 14 Bände mit jeweils 800 bis 1300 Seiten, die "Techellsche Chronik." Vor seinem Tode verfügte Techell, dass die Chronik der Stadtbibliothek übereignet werden solle. Doch sein Sohn Karl Ernst hatte offenbar eigene Pläne für das Lebenswerk seines Vaters - jedenfalls ignorierte er dessen letzten Wunsch und nahm die 14 Bände - deren Gesamtgewicht etwa bei 70 Kilogramm liegen dürfte - bei einem Umzug mit nach Dresden. Mit seinem Tode im Jahre 1876 verliert sich zunächst die Spur.

"Wir wissen von ihrer Existenz aus den Aufzeichnungen späterer Chronisten, die immer wieder bedauerten, dass die berühmte Techellsche Chronik verschwunden sei", so die Leiterin des Bautzener Stadtarchivs Grit Richter-Laugwitz. Bis sie im Oktober 2006 einen Anruf erhielt, der sie elek trisierte: Ein Sammler gab ihr den Tipp, dass eine Bautzener Chronik in Berlin versteigert werden solle. Die Vermutung wurde schnell zur Gewissheit - es ist die Techellsche Chronik. "Die finanziellen Mittel gestatteten es der Stadt jedoch nicht, sich an der Versteigerung zu beteiligen", blickt Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU) zurück. Zwar versuchte die Sächsische Staats- und Universitätsbibliothek, in die Bresche zu springen, allerdings vergeblich. Den Zuschlag erhielt eine im norddeutschen Emden ansässige Bibliothek.

Zwei Jahre später trennte sich diese von ihrem bisherigen Leiter, dessen Nachfolger fragte sich, was um alles in der Welt man in Emden mit einer Bautzener Chronik anfangen wolle und bot sie seinen ostsächsischen Kollegen zum Kauf an. "Wir selbst konnten sie zwar nicht erwerben; in der Volksbank Bautzen fanden wir jedoch einen Partner, der sich dazu bereit erklärte", so der Oberbürgermeister. Laut Vorstand Klaus Otmar Schneider handelte es sich um eine fünfstellige Summe, die er jedoch nicht genau beziffern will. Hinzu kamen noch die Kosten für die Restaurierung, Digitalisierung und Mikroverfilmung, die das Kreditinstitut ebenfalls übernahm. Schließlich übergab es die Chronik als Dauerleihgabe an die Stadtbibliothek.

"Für uns ist die Rückkehr der Techellschen Chronik, von der wir so viel gehört und gelesen, aber nie etwas gesehen haben, eine sehr emotionale Angelegenheit", bekennt Grit Richter-Laugwitz. Ab sofort steht sie - zumindest in ihrer digitalisierten Form - allen Interessenten zur Einsichtnahme und zu Forschungszwecken zur Verfügung.

"Sicher ermöglicht sie uns viele neue Erkenntnisse über und Einblicke in die Bautzener Stadtgeschichte", so die Stadtarchivarin, die selbst schon "nächtelang die Nase zwischen die Seiten gesteckt" hat. Denn schließlich handelt es sich um kein wissenschaftliches Werk, sondern "um die Sicht eines ganz normalen Bürgers und somit um ein nahezu einmaliges Zeitdokument".

Die Techellsche Chronik wird ab 8. Januar kommenden Jahres für drei Wochen in den Räumlichkeiten der Volksbank Bautzen eG präsentiert.