Naturwissenschaftlicher Unterricht schon ab der ersten Klasse, jahrgangsübergreifendes Lernen und Werteerziehung - mit diesen Schwerpunkten soll schon nach den Sommerferien eine neue Grundschule in Cottbus ihren Betrieb aufnehmen.

"Die Initiative ging von engagierten Cottbuser Eltern aus", sagt Daniel Böhm, Geschäftsführer der Archimedes-Schulträgergesellschaft, die sich als Betreiber um die Umsetzung kümmern will.

Die Grundschule: Mit einer Grundschule soll schon in diesem Jahr begonnen werden. Pro Jahrgang rechnet der Betreiber mit 12 bis 16 Kindern. Es erfolge ein jahrgangsübergreifender Unterricht, das bedeutet: Die Klassen 1/2/3 und 4/5/6 lernen in gemeinsamen Gruppen. Besonderes Augenmerk soll auf mathematisch-naturwissenschaftliche Themen gelegt werden.

Die Gesamtschule: Mit Beginn des Schuljahres 2014/15 soll das bestehende Angebot durch eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe ergänzt werden.

Der Standort: Laut Daniel Böhm liefen gegenwärtig Gespräche über mehrere Objekte. Zu Details will er sich noch nicht äußern. Nach RUNDSCHAU-Information soll das ehemalige Schulgebäude in Kahren, das der Stadt gehört, auf der Wunschliste weit oben stehen.

Die Finanzierung: Freie Schulen in Brandenburg müssen die ersten drei Jahre ohne Landeszuschüsse auskommen. Verteilt auf die drei Jahre rechnet der Betreiber mit einem Bedarf in Höhe von 650 000 Euro. Dieses Geld soll durch Spenden und eine Stiftung zusammenkommen. Die "Neuland Stiftung Lausitz" ist vor wenigen Tagen gegründet worden. Vorsitzender ist der FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Neumann. Im Stiftungsrat ist auch Daniel Böhm vertreten. Eltern sollen für ihre Kinder ein monatliches Schulgeld bezahlen. Das sei einkommensabhängig und beginne bei rund 40 Euro.

Die Stadt: Die Stadtverwaltung sieht das Vorhaben skeptisch. "Eine neue Grundschule ist eine Gefahr für das Schulnetz", sagt Bildungsdezernent Berndt Weiße (parteilos). Vom Standort Kahren seien beispielsweise sowohl Dissenchen als auch Laubsdorf, und damit auch eine Schule im Spree-Neiße-Kreis, betroffen. Deshalb spricht sich Weiße gegen einen Verkauf des Kahrener Schulgebäudes aus. Jeder andere Standort werde wieder Auswirkungen auf den betreffenden Schulbezirk haben. Derzeit seien die Schülerzahlen zwar stabil, aber ab 2020 sei mit einer Delle zu rechnen. Das Konzept überzeuge ihn ebenfalls nicht. Sollte der Betreiber allerdings ein privates Gebäude finden, habe die Stadt keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Die Genehmigung: Private Schulen müssen vom Bildungsministerium genehmigt werden. Dort würden Konzept, Gebäude, Lehrplan oder Finanzierung geprüft, sagt der Potsdamer Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Ob die neue Schule Auswirkungen auf das bestehende Schulnetz hat, sei allerdings nicht Bestandteil der Prüfung. Spätestens am Ende des aktuellen Schuljahres werde es eine Entscheidung gegeben. Weil diese offen sei, sollten Eltern immer an eine Alternative denken.

Zum Thema:
Die Archimedes Schulträger-Gesellschaft ist auch im Spree-Neiße-Kreis aktiv. So gibt es Pläne, im Forster Ortsteil Noßdorf eine Dorfgemeinschaftsschule zu errichten. Ein Antrag dafür wird beim Potsdamer Bildungsministerium geprüft. Bis Ende Januar soll es eine Entscheidung geben. Archimedes-Geschäftsführer Daniel Böhm hat die privaten Grundschulen in Groß Kölzig und Forst-Eulo mit aufgebaut. In Eulo war der studierte Rechtsanwalt Geschäftsführer der Grundschule, wurde aber nach internen Streitereien 2011 abgesetzt. ( www.archimedes-gs.de)