Auch deshalb findet diesen Donnerstag in der Innenstadt eine Nachtdemo gegen Rassismus statt.

Die aktuelle Statistik des Vereins Opferperspektive fasst in kurzen Sätzen zusammen, wo es in Cottbus in den vergangenen zwei Jahren zu rechten Gewalttaten gekommen ist. Der Verein ist eine Anlaufstelle für Opfer rechter Gewalt – seit Januar 2010 waren das 30 Fälle. So viele wie 2009, 2008 und 2007 zusammen.

„Vier Schwarze, darunter ein Kleinkind, wurden in Sachsendorf mit Rufen wie Neger beschimpft, der einzige Mann der Gruppe geschlagen und nach einer Frau getreten. Die Polizei ermittelt Tatverdächtige“, steht in der Vereinsstatistik unter Punkt Vier, 6. August 2011. Drei Wochen später werden in Cottbus vier Männer aus Marokko rassistisch beleidigt und mit einem Schlagring angegriffen. „Ein Betroffener musste im Krankenhaus behandelt werden“, steht unter Punkt Drei, 25. August 2011.

„Opfer rechter Gewalt wird man nicht so zufällig wie Opfer einer Raubstraftat, sondern die Menschen werden stellvertretend für eine ganze Gruppe angegriffen“, sagt Anne Brügmann vom Verein Opferperspektive. Sie gehe von einem hohen Dunkelfeld aus, die Zahlen würden nur die Spitze des Eisberges zeigen. Bei Anne Brügmann melden sich auch Personen, die Opfer von Gewalttaten geworden sind, sich aber gegen eine Anzeige entschieden haben und somit auch nicht in offiziellen Statistiken auftauchen. „Es gibt aber wahrscheinlich auch eine ganze Reihe von Betroffenen, die auch nicht zu uns kommen“, sagt sie.

Auch aus diesem Grund organisiert ein Bündnis aus Studierendenrat der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) und mehreren Kulturvereinen diesen Donnerstag eine Nacht-Tanz-Demo. Start der Demonstration ist 20 Uhr der Campus der Universität. Die Route führt den Protestzug über die Friedrich-Ebert-Straße, an der Stadthalle, dem Staatstheater und dem Weltspiegel-Kino vorbei. Ziel ist das Kulturzentrum Glad- House, wo es dann auch eine Abschlusskundgebung geben wird.

„Der Startpunkt der Demonstration ist bewusst gewählt“, sagt Demo-Sprecher Sascha Kahle. An der BTU gibt es 1000 ausländische Studierende. „Wir wollen zeigen, dass Cottbus eine weltoffene Stadt ist“, sagt Kahle. Nach der Abschlusskundgebung soll es zwei Tanzveranstaltungen geben. Eine findet im Bebel statt, die andere im Seitensprung.

Das Lokal wurde vergangene Woche überfallen. Elf Besucher wurden dabei verletzt.