Allmosen. Es ist zum Verzweifeln im Allmosener Bürgerhaus. Der Grund für den Ärger liegt aber weder an den Menschen, die sich in dem Gebäude versammelt haben, noch an der Wärme in dessen Mauern. Sondern wenige Meter vor dem Haus. Dort verläuft die Bundesstraße 169. Es bleibt kaum Zeit zum Luftholen, wenn ein Lastkraftwagen verbeigedonnert ist. Schon folgt der nächste. Und noch einer. Ortsvorsteher Werner Scholz hat die Tür, die den Weg direkt zur Straße ebnet, offen gelassen. Die Bürger der Interessengemeinschaft B 169 müssen genau hinhören, um alles zu verstehen. Der Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus (Bündnis 90/Grüne) wechselt irgendwann seinen Platz in den hinteren Teil des Raumes. Dort, wo es ein wenig leiser scheint.

Genau über die vor der Tür hautnah erlebte Problematik diskutiert der Landespolitiker mit den Bürgern, die aus den B-169-Anlieger-Orten der Fernstraße zwischen Cottbus und Schwarzheide gekommen sind. Sie wirken angespannt, wütend und teilweise resigniert. Trotz mancher Maßnahmen, etwa Tempo 30 in einigen Ortsdurchfahrten, herrscht Unzufriedenheit die Runde. Die Menschen fühlen sich von den Politikern aus Kommunen und Landkreisen unverstanden. Deshalb haben sie sich den Gast aus dem Potsdamer Landtag eingeladen. "Bei uns ist das Problem angekommen. Wir haben die Lärmthematik entlang der B 169 im Verkehrs- und im Petitionsausschuss diskutiert", erklärt Michael Jungclaus. Allerdings macht auch der Bündnisgrüne den Anwohnern wenig Hoffnung: "Die Ortsumfahrung für Allmosen ist zwar im Bundesverkehrswegeplan enthalten, besitzt aber nicht Priorität."

Als Alternative führt Jungclaus eine Maut auf dem rund 50 Kilometer langen Abschnitt der B 169 zwischen Cottbus und Schwarzheide ins Feld. Dieses Verfahren werde bereits an Bundesstraßen in Brandenburg praktiziert. Allerdings seien diese autobahnähnlich ausgebaut. "Die Abkürzung für den Lkw-Durchgangsverkehr soll sich nicht rechnen", begründet der Politiker. Müssten die Brummi-Fahrer tatsächlich die längere Strecke von Cottbus über das Spreewald-Dreieck in Richtung Dresden benutzen, stünden lediglich 30,7 Kilometer mehr auf den Tachos. Dies durchzusetzen, ist Ziel der "Interessengemeinschaft B 169". Der Lärm und die Emissionen sind nicht mehr auszuhalten, begründet deren Sprecher Gerhard Düring. Laut des Lärmminderungsplanes seien fast 2100 Menschen von den negativen Auswirkungen betroffen, von denen wiederum 1400 Anspruch auf Entschädigung besäßen. Denn wer Dezibelwerte von 73 (tags) und 64 (nachts) hinnehmen muss, ist in seiner Gesundheit massiv beeinträchtigt. Mehrere Richter haben inzwischen entschieden, dass Zahlen jenseits der 70 beziehungsweise 60 Dezibel inakzeptabel sind. Inzwischen beschäftigt sich auch der Spree-Neiße-Kreistag mit diesem Thema. Vor Kurzem ist deswegen eine öffentliche Anhörung erfolgt. "Wir wollen das Ergebnis abwarten. Gibt es dann für die Bürger noch immer keine nachhaltige Lösung, erwägen wir eine Klage vor Gericht", kündigt Gerhard Düring an. Diese soll den Transitverkehr über zwölf Tonnen auf die nahen Autobahnen 13 und 15 verbannen. Der Quell- und Zielverkehr sei davon ausgenommen. "Es muss endlich aufhören, dass wir nachts nur noch mit Ohropax schlafen können, wenn überhaupt", sagt Düring kämpferisch. Mit Michael Jungclaus hat sein 70-köpfiger Verein nunmehr einen neuen Unterstützer gewonnen.