"Wir haben unsere Lektion gelernt." Brittany Marble hat sich in New Orleans als ehrenamtliche Helferin gemeldet. Drei Jahre nachdem der Hurrikan "Katrina" die US-Südstaaten-Metropole verwüstete und insgesamt 1500 Menschen das Leben kostete, bereiten sich die Bewohner diesmal besser auf das heranziehende Unheil vor. Tropensturm "Gustav", der in der Karibik bereits 85 Menschen tötete, wird voraussichtlich auch auf New Orleans treffen. Zahlreiche Bewohner verließen am Wochenende die gefährdeten Küstenbereiche im Bundesstaat Louisiana.
In New Orleans stauten sich stadtauswärts die Autokolonnen. Tausende Menschen wurden auch mit Bussen und Zügen in Sicherheit gebracht. Vor drei Jahren hätten sich viele Menschen geweigert, die Stadt zu verlassen, weil sie ihre Haustiere nicht zurücklassen wollten, erinnert sich Marble. Diesmal dürften sie die Tiere mitnehmen. "Er ist für uns wie unser Baby", sagt Sharon Denson und herzt ihren Hasen Jessie.
"Ich wurde hier geboren, meine Eltern wurden hier geboren", erzählt Maggie Hawkins, die zusammen mit ihrem Hund in einen Bus steigt. Wer die Stadt noch nicht verlassen hat, bereitet sich gestern auf die Abreise vor. Die Menschen nageln Bretter vor die Fenster ihrer Häuser, schichten Sandsäcke auf. Hotels bitten Touristen, die Stadt zu verlassen, die ganze Woche über bleiben die Schulen geschlossen. "Es ist besser organisiert als 2005", sagt Naomi Brown, die gerade einen Großeinkauf im Supermarkt macht.
Am 29. August 2005 hatte die "Katrina"-Katastrophe New Orleans unvorbereitet getroffen. Der Sturm zerstörte schlecht gebaute Dämme und setzte 80 Prozent der Stadt bis zu viereinhalb Meter unter Wasser. Zehntausende Menschen verbrachten Tage auf Dächern und Brücken sowie in chaotisch organisierten Notunterkünften. Das miserable Katastrophenmanagement fiel auch auf US-Präsident George W. Bush zurück, dessen Umfragewerte danach stetig sanken.
Diesmal empfahl Bürgermeister Ray Nagin den Bewohnern "mit Nachdruck", die Stadt zu verlassen. Präsident Bush rief nach Louisiana vorsorglich auch für Texas den Notstand aus. Sein Heim zu verlassen, sei eine "schwere Entscheidung", äußerte Bezirksvorsteher Craig Taffaro Verständnis für die Sorgen der Bewohner. Sein Stadtbezirk St. Bernhard gehörte 2005 zu einem der am härtesten getroffenen Stadtteile von New Orleans.
Wer in der Stadt ausharre, werde es nicht leicht haben, meint Maria Chopin, die ihren Kofferraum mit Lebensmitteln füllt. Es werde kein fließendes Wasser und keinen Strom mehr geben. Trotzdem zögern einige Bewohner die Abreise wieder bis zum letzten Augenblick hinaus. "Eigentlich sollte ich schon aufbrechen", sagt Sheile Robertson. "Aber ich warte noch ein bisschen. Ich weiß, dass das riskant ist." 2005 hatte sie die Stadt verlassen. Ihr Haus wurde im Sturm zerstört.