Die Angler sind von den Jahren nach der Wende verwöhnt. Das sagt Gunter Gasde, Gewässerwart im Altkreis Bad Liebenwerda. Als schlagartig Schluss war mit dem Einleiten übel stinkender Abwässer erholte sich der Fluss recht schnell, war sogar glasklar. Beste Bedingungen für Hecht, Barsch, Bleie, Ukelei und sogar die empfindlicheren Arten wie Barbe, Bitterling und Schmerle. In diesem Jahr klagen die meisten Angler am meisten darüber, dass sie keinen Hecht mehr an die Angel kriegen. „Das wissen wir“, sagt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow und erläutert: „Der Hecht ist ein Augenräuber, liebt also klares Wasser. Im trüben Gewässer sieht er den Blinker oder den Beutefisch an der Angel nicht und kann so auch weniger gefangen werden.“ Auch Zahn weiß um die teils massive Eintrübung der Elster und vom erhöhten Eisengehalt. Zu geringerem Fischbesatz habe beides bisher allerdings nicht geführt. „Bei unserer letzten Probefischung zu Jahresbeginn haben wir noch 15 Fischsorten festgestellt“, so Zahn. Und auch in diesen Tagen, in denen regelmäßig mit Fangelektroden im Zuge der Lachsbestandsprüfung kontrollgefischt wird, würden die Fachleute immer wieder reichhaltigen Fischbestand, auch Hechte, ausmachen. In der Elster gebe es demnach nach wie vor unter anderem Hechte, Döbel, Barsche, Zander und Rapfen. Etwas resigniert klingt Zahn, wenn es um die Wiederansiedlung von Meerforelle und Lachs geht. Nur eine Meerforelle ist in diesem Jahr bislang bei Schwarzheide gefangen worden. „Wir stochern selber ein wenig im Trüben, weshalb wir nicht mehr entdecken. Ob unsere Probe-Methode – wir erreichen an den Standorten gerade mal einen Radius von anderthalb bis zwei Metern – zu ungenau ist?“, sinniert er und ist sich sicher: Die Bauarbeiten am Pulsnitz-Wehr bei Kotschka, wo während der Bauphase Röhren eingebaut worden sind, dürften es nicht sein. „Wir haben ja auch davor keinen Lachs entdeckt.“

Prof. Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes, hat die Gewässerqualität der Elster ständig im Blick und weiß, dass zunehmender Grundwasseranstieg nach der Braunkohleauskohlung jetzt zu einem hohen Eisenocker-Anteil auch in der Elster führt. „Aber, in der Elster ist das halb so schlimm wie in der Spree. Dort haben wir an der Landesgrenze zu Sachsen 4 Milligramm Gesamteisen auf den Liter gemessen, in der Elster liegt der Wert zwischen 2 und 3.“ Der natürliche Prozess werde noch über Jahre anhalten, weil im Zuge der Stilllegung der Tagebauflächen das Grundwasser weiter ansteige und dadurch Eisen ausgetragen werde. Dies entstehe durch den Zerfall von Katzengold (Pyrit) und Markasit. Wenn Wasser und Sauerstoff hinzukommen, entsteht das Schwefeleisen, das Wasser versauert.

Unmittelbar nach der Wende hätten viele Tagebaue noch gearbeitet, nur der Schmutzwassereintrag war rapide zurückgefahren worden. Das hätte zur nahezu glasklaren Elster geführt.

Die Auswirkungen in der Elster sind noch nicht vollends überschaubar. Fakt ist: Wird die Belastung zu stark, deckt das Eisenocker den Grund des Flusses ab und erschwert das Wachstum der kleinen Fischnährtiere am Boden. Zudem verklebe Schwefeleisen die Kiemen der Fische und gefährde auch die Fischbrut besonders empfindlicher Arten.