So richtig weiß der Angeklagte nicht, warum er sich vor dem Amtsgericht verantworten muss. Die Straftat habe doch sein Kollege begangen - der sei ohne Führerschein gefahren. Er selbst habe nur daneben gesessen, seinem Kollegen das Steuer überlassen, weil er sich nicht fähig gefühlt habe, selbst zu fahren. Der Angeklagte David G.*, sein Kollege Arian K.* und zwei Maurer waren im Januar auf dem Weg von der polnischen Grenze aus nach Kamenz, um dort zu arbeiten. David G. hatte Arian K. den Autoschlüssel für seinen Wagen überlassen, weil ihm ein Kater zusetzte. Als die Bauarbeiter in eine Kontrolle auf der B 97 in Hoyerswerda gerieten, stellte sich heraus, dass Fahrer Arian K. keinen Führerschein besitzt. Gegen ihn wird Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis erhoben, Fahrzeughalter David G. wird ebenfalls angeklagt - wegen Anordnens oder Zulassens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. "Für mich war klar, dass mein Kollege einen Führerschein besitzt", sagt der Angeklagte in der Verhandlung. Dass Arian K. diesen aber 2011 verloren hatte, sei dem Angeklagten nicht bewusst gewesen. Immerhin habe er den Kollegen schon zu Hause besucht und dessen Auto gesehen. Auf einer öffentlichen Straße aber habe er seinen Kollegen nie selbst fahren sehen. In der Regel habe David G. immer selbst am Steuer gesessen und Arian K. dann am Grenzübergang aufgesammelt, um gemeinsam zur Arbeit zu fahren. Nur eben an diesem Tag nicht.

Dass David G. tatsächlich etwas getrunken und reichlich Restalkohol im Blut hatte, bestätigt die Polizistin, die die Verkehrskontrolle im Januar durchgeführt hatte und als Zeugin gehört wird. Auch, dass David G. sich mit den Polizisten nicht verständigen konnte, weil er kein Deutsch spricht, bestätigt sie. Arian K. hingegen konnte mit den Beamten reden, hat offenbar angegeben, David G. habe ihn zum Fahren aufgefordert. Zur Verhandlung ist Arian K. nicht erschienen. Richter Näther lässt Strafanzeige gegen ihn erstatten. David G. kann vor Gericht glaubhaft machen, dass er nicht wusste, dass sein Kollege Arian K. keinen Führerschein besitzt. Strafbar bleibt das Zulassen des Fahrens weiterhin. Staatsanwaltschaft und Richter sind sich aber einig, dass es sich im Fall David G. nicht um vorsätzliches Anordnen einer Straftat handelt, sondern um Fahrlässigkeit.

*Namen geändert