Zum Auftakt des Prozesses um das Millionengeschäft warf die Staatsanwaltschaft den Angeklagten Betrug vor. Die Männer hätten die Verzweiflung und Unwissenheit von Krebspatienten ausgenutzt, um ihnen völlig überteuert ein unwirksames Medikament zu verkaufen. Fast alle der 167 Patienten aus ganz Deutschland seien inzwischen gestorben. Am ersten Prozesstag wurde nur die Anklage verlesen. Die Verhandlung wird sich voraussichtlich bis Juni hinziehen. Den Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Patienten bewusst belogen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die fünf Männer ihren Patienten in einer nordhessischen Klinik "Galavit" als "erwiesenes Antikrebsmittel" angeboten, obwohl sie von dessen Unwirksamkeit gegen Krebs wussten. "Man hat die Patienten belogen, weil man wusste, dass sie nach jedem Strohhalm greifen", sagte die Staatsanwältin. Laut Anklage haben die fünf Männer zwischen 1999 und 2001 nachweisbar 167 Patienten mit jeweils 15 Ampullen behandelt. Die Betroffenen hätten 16 800 Mark (etwa 8500 Euro) bezahlt, zudem noch Tausende Mark für den zweiwöchigen Klinik-Aufenthalt. Die Ampullen habe es in russischen Apotheken für elf Dollar pro Stück gegeben. So habe die Gruppe fast 2,7 Millionen Mark (1,34 Millionen Euro) erschwindelt.
Hauptangeklagter ist ein 63 Jahre alter Kaufmann, der den Plan entwickelt und organisiert haben soll. Dazu habe er sich in einem nordhessischen Klinikum eingemietet und einen Arzt anstellen lassen. Der ebenfalls angeklagte Mediziner soll die Behandlungen geleitet und den Patienten die Wirksamkeit des Präparats zugesichert haben. Die drei anderen Angeklagten sind zwei Kaufmänner, die die Ampullen beschafft und die Verwaltung abwickelt haben sollen, sowie ein Journalist, der die Geschichte des "Krebswundermittels" in die Medien bringen sollte. Die meisten Angeklagten kündigten an, sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Lediglich die Verteidigerin des Arztes kündigte eine Erklärung an. Der Anwalt des Hauptangeklagten, Ullrich Goetjes, bezweifelte die Stichhaltigkeit der Anklage.
"Es ist nicht bewiesen, dass Galavit Krebs nicht heilt", sagte er nach der Verhandlung. Die Verteidigung werde Studien vorlegen, die die Wirksamkeit gegen Krebs untermauere.

Vorwürfe gegen Ivan Desny
Die Anklage erneuerte auch Vorwürfe gegen den Schauspieler Ivan Desny. Der aus zahlreichen Serien und "Tatort"-Filmen bekannte Darsteller soll 20 000 Mark für "Galavit"-Werbung bekommen haben. In Interviews habe er behauptet, er sei mit dem Mittel in einer russischen Spezialklinik von Prostatakrebs geheilt worden. Er habe aber weder Prostatakrebs gehabt, noch sei er in Russland behandelt worden, heißt es in der Anklageschrift. Desny starb im April 2002 im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. (dpa/uf)