Da lässt sich kaum etwas kritisieren. Die Jugendkammer des Cottbuser Landgerichts bemüht sich mit stoischer Akribie, die offensichtlich schwierige Persönlichkeit des nach wie vor schweigenden Angeklagten zu entschlüsseln.

Am Freitag hatten die Richter deshalb einen früheren Klassenlehrer von Maurice M. vorgeladen. Dessen Auftritt in Cottbus sorgte für Überraschungen bei allen Prozessbeteiligten.

Rolf Klenz hatte Maurice M. fünf Jahre lang, von der fünften bis zur zehnten Klasse unterrichtet, und er erinnerte sich trotz der vielen vergangenen Zeit noch erstaunlich gut an ihn.

Der Lehrer beschrieb den inzwischen 21-Jährigen als extrem zurückgezogen ind introvertiert. "Er war von Anfang an sehr, sehr kommunikationsgestört", sagte der Pädagoge. Er habe kaum jemanden an sich herangelassen, habe sehr gehemmt gewirkt und sei irgendwie eine "unstimmige Persönlichkeit" gewesen.

Und der einstige Klassenlehrer berichtet über einen Vorfall, der auch dem Cottbuser Gericht neu gewesen sein dürfte.

Maurice M. war nämlich in der zehnten Klasse plötzlich für fünf oder sechs Wochen verschwunden. Die Eltern hätten ihn gar bei der Polizei als vermisst gemeldet. Schließlich stellte sich heraus, dass der damals 16-Jährige wohl mit dem Fahrrad von seiner Heimatstadt Lohmar etwa 160 Kilometer bis in den Raum Frankfurt am Main gefahren war, um offenbar ein Mädchen zu besuchen, dass er damals auch - wie im Fall Alyssa - im Internet kennengelernt hatte. Er soll mehrere Wochen bei bitterer Kälte in einem Schuppen gehaust haben.

Und das bis heute unbekannte Mädchen war nicht die Einzige, der sich Maurice M. auf diese Art nähern wollte.

Auch eine heute 22-jährige, frühere Internet-Chat-Partnerin des Angeklagten, die gestern vor dem Cottbuser Landgericht aussagte und extra aus Bayern angereist war, bestätigte: "Nach anfänglichen Gesprächen über japanische Trickfilme wurde er immer zudringlicher und hat gesagt, dass er mich liebt. Doch davon wollte ich nichts wissen und habe der Diskussion schnell einen Riegel vorgeschoben."