Maria, die 33-jährige Altistin, hatte erst 2012 an der Metropolitan Opera in New York City in der "Götterdämmerung" debütiert, noch vor kurzem sang sie in "Les Troyens" die Rolle der Anna an der Mailänder Scala und in gleicher Rolle auch am Teatro Colon in Buenos Aires. "Sie hatte noch so viel vor", sagt der Freund der Familie. "Auf Wagners ,Siegfried' in Barcelona, ihr letztes Engagement, hat sie sich sehr gefreut." Er selbst hat Maria zuletzt gesehen, als sie bei der Hochzeit ihres Onkels vor einigen Monaten sang: Die Sängerin sei zwar in Düsseldorf aufgewachsen, habe hier Abitur gemacht und auch dort studiert, doch sei ihr Vater Haaner und habe dort auch viele Jahre gelebt, daher kenne man sich. "Das ganze Dorf nimmt Anteil." Apropos Hochzeit: Maria selbst hatte ihren Mann ebenfalls erst kürzlich geheiratet und den kleinen Felix zur Welt gebracht.

Ihrem Vater, der am Düsseldorfer Flughafen auf die Maschine gewartet hatte, gehe es zu schlecht, als dass man überhaupt mit ihm telefonieren können: "Er hat unglaublich stark an seiner Tochter gehangen und war sehr stolz auf sie." Der Freundeskreis treffe sich eigentlich immer jeden Freitag, das könne man wohl vorerst vergessen.

Auch Michaela Krämer, Maria Radners langjährige Gesangsprofessorin an der Robert-Schumann-Musikhochschule, geht der Tod spürbar sehr nah. Sie berichtet von Maria Radner wie von einer sehr lieben Freundin: "Auch wenn sie nicht mehr meine Studentin war, hatten wir immer noch ein sehr enges Verhältnis. Erst vor wenigen Tagen hatte sie mich von Barcelona aus angerufen, wo sie ja die Erda in ,Siegfried‘ sang." Und sie habe sich so gefreut, dass ihr Mann mit dem Baby nachkommen würde. Alle drei sind nun an Bord von Germanwings-Flug 9525 umgekommen, ebenso wie der Bassbariton Oleg Bryjak aus dem Ensemble der Rheinoper Düsseldorf/Duisburg, der mit Radner in der "Siegfried"-Aufführung auf der Bühne gestanden hatte und sich auf dem Heimflug nach Düsseldorf befand.

Maria Radner, sagt Krämer, habe eine Weltkarriere begonnen, aber nie sei ihr der Ruhm zu Kopf gestiegen; ihre Natürlichkeit und Hilfsbereitschaft habe sie sich immer bewahrt: "Das ist selten in einer Sänger-Welt, die ja von Eitelkeiten dominiert wird." Schon in der ersten Gesangsstunde an der Hochschule habe Krämer von Maria Radner gewusst: "Die hat etwas in der Stimme, das sie von vielen anderen unterscheidet. Die wird mal eine ganz Große." Diese Karriere ist nun in den Alpen auf tragische Weise abgestürzt.