Die meisten Häuser in Deutschland gehören zu den 20-Liter-Häusern: Pro Quadratmeter Wohnfläche verbrauchen ihre Bewohner 20 Liter Heizöl oder 20 Kubikmeter Gas im Jahr. Ein heute gebautes Haus kommt mit sieben Litern aus.
Nicht nur der Klimaschutz ist für viele ein Grund, über Energiesparmaßnahmen nachzudenken, sondern vor allem der eigene Geldbeutel. Wer 3650 Liter Heizöl im Jahr tanken muss wie die Familie im Musterbeispiel von „Finanztest“ , zahlt dafür zurzeit rund 2000 Euro. Gelingt es, durch eine Sanierung den Energieverbrauch zu halbieren, sparen sie ordentlich Geld.

Neue Heizung rentiert sich schnell
Technisch möglich ist oft sogar eine Minderung des Energiebedarfs von 70 bis 80 Prozent. Dafür ist allerdings eine Rundumdämmung des Hauses inklusive neuer Heizung notwendig, und das kostet schnell 40 000 Euro und mehr.
Aber auch mit einzelnen Maßnahmen lässt sich viel erreichen. Steht beispielsweise noch ein alter Heizkessel im Keller, ist seine Erneuerung meist die Investition, die sich am schnellsten bezahlt macht. 90 Prozent aller Heizkessel in Deutschland nutzen die eingesetzte Energie nur unzureichend aus. Ein 30 Jahre alter Heizkessel verliert täglich eine Wärmemenge, die etwa 2,5 Litern Heizöl entspricht. Wenn der Heizkessel 365 Tage im Betrieb ist, weil er auch für Warmwasser sorgt, kommen so 912 Liter oder 550 Euro im Jahr zusammen - Geld, das durch den Schornstein geht. Die Ausgaben für einen neuen Kessel hat der Eigentümer schon nach wenigen Jahren wieder zurückgeholt.
„Finanztest“ empfiehlt vor allem Hausbesitzern, deren Heizkessel älter als 20 Jahre ist, lieber einen neuen Heizkessel zu kaufen statt einen überalterten zu reparieren. Die Anschaffung amortisiere sich nach wenigen Jahren. Auch die Montage eines neuen Brenners sei nur eine halbherzige Lösung. Mit dem Anschluss eines Kaminofens ließen sich in der Übergangszeit zusätzlich Heizkosten sparen. Dazu müsse bei der Schornsteinsanierung mindestens einen Zug frei gelassen werden. Üblicherweise werden bei einer Haussanierung nicht mehr benötigte Schornsteine für neue Steigleitungen genutzt.

Haus warm einpacken
Noch mehr Energie als durch uneffiziente Heizkessel geht in der Regel durch schlecht gedämmte Außenwände und das Dach verloren. Je dünner und massiver die Wand, desto schlechter ihre Dämmwirkung.
Doch es müsse nicht immer gleich die große Lösung sein, raten die Experten. Ist das Dach nicht ausgebaut, bringt zum Beispiel schon die Dämmung der obersten Geschossdecke enorm viel. Auch kalte Kellerdecken oder schlecht gedämmte Rollladenkästen und Heizkörpernischen lassen sich relativ einfach und preiswert abdichten.
Je besser das Haus gedämmt ist und je dichter die Fenster sind, desto wichtiger ist es, für ausreichend Luftaustausch im Gebäude zu sorgen. Beim Duschen oder Kochen entsteht Feuchtigkeit, die nach draußen entweichen muss. Darum soll ungefähr alle zwei Stunden die gesamte Raumluft einmal erneuert werden. Eine Lüftungsanlage ist deshalb neben der Wärmedämmung und einer modernen Heiztechnik das dritte wichtige Element eines Niedrigenergiehauses. Der Trick: Ein Großteil der Wärme aus der Abluft wird genutzt, um die ins Haus strömende kühlere Außenluft zu erwärmen.
Die Sanierung muss nicht unbedingt in einem Durchgang erfolgen: Wer sich entscheidet, sein Haus Schritt für Schritt zu sanieren, müsse sich allerdings nach der richtigen Reihenfolge der Maßnahmen informieren, warnen die „Finanztest“ -Experten. Wer beispielsweise neue Fenster einbaue, ohne vorher die Wand gedämmt zu haben, riskiere Schimmelprobleme.
Unterstützung bei der Finanzierung bekommen Modernisierungswillige von der Bundesregierung. Sie stellt rund 1,4 Milliarden Euro jährlich dafür zur Verfügung, dass die staatliche Förderbank KfW Fördermittel und -kredite auszahlt.

Fördermittel nutzen
Weist ein Eigentümer zum Beispiel nach, dass sein Haus nach einer Modernisierung seiner Wahl höchstens noch so viel Energie verbraucht wie ein vergleichbares neu gebautes Haus, bekommt er besonders gute Konditionen. Er wird mit einem äußerst günstigen Zins belohnt, derzeit ab 2,52 Prozent. Hinzu kommt ein Tilgungszuschuss, der je nach Umfang des erreichten Energiespareffekts eine Höhe von fünf oder 12,5 Prozent der Kreditsumme erreichen kann.
Ausgaben in Höhe von maximal 50 000 Euro kann der Hausbesitzer auf diesem Wege günstig finanzieren. Der Betrag reicht in der Regel aus, um in einem Einfamilienhaus die Wände und das Dach zu dämmen und die Heizung zu erneuern. Wer mehr will, etwa noch die Fenster austauschen, kann weitere Förderprogramme der KfW anzapfen.

Experten-Tipp Zuschüsse und Fördermittel für Modernisierer
 Hausbesitzern, die den Energieverbrauch ihres Wohneigentums drastisch senken wollen, gibt „Finanztest“ Tipps, mit welchen Zuschüssen und Fördermitteln sie rechnen können:
Energieberatung. Nehmen Sie eine neutrale Vor-Ort-Beratung in Anspruch. Sie wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bezuschusst. Beim Bafa finden Sie auch eine Liste aller zugelassenen Energieberater. Diese rechnen aus, welche Investition welche Energieersparnis bringt und schlagen in der Regel auch eine Kombination verschiedener Modernisierungsarbeiten vor, denn erst damit lässt sich der Energieverbrauch in einem Altbau auf den in einem Neubau senken (Internet: www.bafa.de, Telefon: 0 61 96 / 90 82 62).
Fördermittel. Neben der staatlichen Förderbank KfW (Telefon: 0 18 01 / 33 55 77, Internet: www.foerderbank.de) stellen auch andere Banken und Institutionen Finanzhilfen für die Modernisierung zur Verfügung. „Finanztest“ gibt in der aktuellen Ausgabe einen Überblick über die verschiedenen Fördermöglichkeiten.