Touristen und Urlauber, aber auch Einheimische, benutzen seit fast 150 Jahren Postkarten mit den aufgedruckten Bildmotiven, um Familienangehörigen oder Freunden einen Gruß zu übersenden. Motive waren überwiegend Kirchen, Schlösser, Gasthäuser, der Kahntourismus, Landschaften mit Heuschobern, Brücken und Gewässern. "Im Spreewald wird es Mitte der 1890er-Jahre die ersten Karten gegeben haben, wie postalische Funde belegen", so Maria Mirtschin. Seit Jahren untersucht die promovierte Ethnografin vom Sorbischen Institut in Bautzen die Entwicklung, Motive und Verbreitungsbedingungen der Bildpostkarten im sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet. Auch die Sorben / Wenden nutzten das damals neue Medium, um ihre nationale Kultur zu propagieren. Die Blütezeit für die "Zeitungen" im Kleinformat lag zwischen 1890 und 1920. Die Karten galten als "Kitt" zwischen der sorbischen Geschichte und Nationalkultur, der Religion, Sprache, Brauchtum und Lebensweise. Überwiegend waren die Sorben in ihren farbigen Festtagstrachten abgebildet, um "auf den ersten Blick" auf ihre Nation aufmerksam zu machen. Im Gegensatz zur Niederlausitz waren die Bildpostkarten in der Oberlausitz immer sorbisch oder sorbisch-deutsch beschriftet. "Es gibt nur sehr wenige Belege dafür, dass im Spreewald auch wendische Worte auf der Karte standen", so Benno Pötschke (75) aus Burg.Als eines der wenigen Beispiele legte der ehemalige Lehrer eine Ansichtskarte aus dem Jahre 1955 vor. Das Motiv war der Spreewald im Hochwald beim Gasthaus "Eiche". Aufgedruckt war auch niedersorbisch "Kjarcma ‚Dub‘ psi Wusokem lesu". Auf anderen Karten gab es tanzende Mädchen in Festtagstrachten, Hochzeitspaare beim Kirchgang oder Kahnfahren, kleine Kinder an den großen Spinnrädern und Mädchen, die auf der "Wauka" stehen, der hohen Fußgängerbrücke. "Die Bauern sind nur zum Arbeiten Kahn gefahren, weil sie für das Freizeitvergnügen gar keine Zeit hatten", erinnerte sich der heutige Cottbuser Paul Pöschk (66), der früher in Burg als Landwirt tätig war. bdm