Die alte 135 ist in der neuen kaum wiederzuerkennen. Geräumig und offen ist das Innenleben, alles in erfrischenden Farben - chrom, blau und rot. Der Boden ist von Stolperfallen befreit. Zwei Fahrkartenautomaten sind leicht erreichbar. Außen sorgt ein modernes Design für Aufmerksamkeit. Der Langläufer ist auch ein Statement von Cottbusverkehr. "Wir fahren abgasfrei" steht da. Angesichts des aufgemöbelten Gefährts zeigt sich Geschäftsführer Jörg Reincke sehr zufrieden und verkündet: "Das ist ein Prototyp. Wir haben schon einige Verbesserungen im Kopf." Davon werden wohl die nächsten Langläufer profitieren.

Die Arbeit in den Cottbuser Werkstätten ist nicht unbemerkt geblieben. Andere Verkehrsbetriebe, die ebenfalls mit einem in die Jahre gekommenen Fuhrpark klarkommen müssen, zeigen Interesse. "Wir würden eine solche Aufarbeitung auch gern als Dienstleistung für andere anbieten", sagt der Chef. "Damit können wir auch die Arbeitsplätze der eigenen Mitarbeiter sichern." Die 21 Cottbuser Bahnen sind im Schnitt ein Vierteljahrhundert alt. Eine neue Straßenbahn kostet rund 2,5 Millionen Euro. Allein dafür fehlt das Geld. Also entschloss sich das städtische Unternehmen im vergangenen Jahr, einzelne Bahnen neu aufzuarbeiten und damit langlebiger zu machen. "Das kostet zwar mehr als eine normale Hauptuntersuchung. Die Ausgaben liegen aber deutlich unter dem Anschaffungspreis für einen Gelenkbus", betont Reincke. Und während es ein Bus auf eine Lebensdauer von rund zwölf Jahren bringt, hält es eine gut gepflegte Straßenbahn zwischen 30 und 50 Jahren auf der Schiene aus. Trotzdem: "Das Modernisierungskonzept wird die Neuanschaffung von Fahrzeugen nicht ersetzen", betont der Geschäftsführer. Deshalb setzt der Betrieb auf eine Mischform. Bis zu 15 Bahnen sollen in den nächsten Jahren Langläufer werden. Für die Cottbuser gehört die Bahn zum Alltag. Das belegen die Passagierzahlen eindrucksvoll. Mehr als sieben Millionen Menschen fahren im Jahr mit der Straßenbahn. Damit nutzen 74 Prozent der Fahrgäste die Tram. Nummer 135 bekommt noch in diesem Jahr Langläufer-Konkurrenz: Denn Nummer 140 ist bereits in Arbeit.