Damals säumten über 3000 Zuschauer den Turnerheim-Sportplatz. Das bedeutete Zuschauerrekord im dritten Heimspiel der noch jungen Saison in der DDR-Liga, Staffel III. Der Aufsteiger, Chemie Weißwasser-West, empfing den haushohen Favoriten, den SC DHfK Leipzig, zum angesetzten Punktspiel.

Die Mannschaft aus der Messestadt wurde erst kurz vor Saisonbeginn aus den besten Nachwuchsspielern der DDR zusammengestellt. Es bestand noch eine II. Vertretung, die der Staffel II zugeordnet wurde. Diese beiden Teams sollten den Kern der künftigen Nationalmannschaft der DDR bilden. Trainer der Gäste war der Ungar Janos Gyarmati, der später zum Nationaltrainer berufen wurde.

Über das Spiel berichtete der Rohner Sportfreund Alfred Domaschk in der Fußballwoche wie folgt: "Schiedsrichter müsste härter durchgreifen! Das Spiel Weißwasser - DHfK Leipzig nahm leider einen überharten Verlauf mit vielen empfindlichen Verletzungen, weil Schiedsrichter Fritsche nicht sofort energisch durchgriff. Vor allem nach dem Siegtreffer der Weißwasseraner, den Fritz Nitschke völlig freistehend aus Nahdistanz erzielte, gab es viele unliebsame Szenen.

Waren vor der Pause noch beide Tore in Gefahr, so beschränkte sich Chemie danach mehr auf die Defensive. Die Leipziger zeigten gute Veranlagung und herrliche Spielzüge, vermochten aber die vielbeinige gegnerische Abwehr nicht zu schlagen. Gefährliche Schüsse, vor allem durch Meyer, machte der sehr zweckdienlich spielende Tormann Melchior unschädlich. Auch DHfK-Torwart Spickenagel hatte gute Szenen. Bei einem Zusammenprall verletzte er Weißwassers Günter Schischefski unglücklich. In den letzten zehn Minuten hielten neun Chemiespieler den kostbaren Sieg, weil Jainsch vom Platz gestellt worden war und Mathe knöchelverletzt ausschied."

Die Oberlausitzer spielten damals mit folgenden Akteuren: Melchior, Nickel, Heilemann, Franz, Mathe, Balko, Nitschke, Jainsch, Schischefski (75. Baake), Greiner, Maruec. Die Messestädter liefen wie folgt auf: Spickenagel, Kalinke, Punt, Otto, Giersch, Fischer, Feldweg, Meyer, Fritsche, Lemanzyk, Wachtel (55. Kohle). Als Schiedsrichter fungierte der Potsdamer Fritsche Dieser Überraschungserfolg brachte die Glasmacherstädter auf Platz 7, während die Gäste auf den drittletzten Rang zurückfielen.

Zu Beginn der zweiten Halbrunde im Januar 1955 scheiterte das Experiment DHfK. Die vorgegebenen Ziele wurden von beiden Mannschaften nicht erreicht, sodass sie den Spielbetrieb einstellen mussten. Die nun frei werdenden Plätze nahmen in der Staffel II Vorwärts Leipzig und in der Staffel III Dynamo Dresden ein. Das Rückspiel im Heinz-Steyer-Stadion in Dresden verlor Weißwasser gegen Dynamo dann ganz klar mit 0:3.