In einer kleinen Boutique in Spanien endlich die langgesuchte Jacke entdeckt und anprobiert - sie sitzt perfekt. Die Entscheidung für den Kauf fällt ohne langes Zögern. Doch die Freude über das neue Kleidungsstück endet jäh an der Kasse: Die Girokarte ist gesperrt - und das, obwohl mit ihr an den Tagen zuvor noch problemlos bezahlt werden konnte und das Konto auch nicht überzogen worden ist. Wenig später scheitert auch der Versuch, Geld bei einer Bank abzuheben. Für Reisende ist es ein Albtraum, fernab der Heimat und noch dazu im Ausland plötzlich mittellos da zu stehen. Was aber kann man in so einer Situation tun? Am besten ist es, sich schon vor der Abreise vorzubereiten. Die RUNDSCHAU gibt Tipps.

Reisekasse zusammenstellen: Bei der Zusammensetzung der Reisekasse sollten Urlauber auf mehrere Zahlungsmittel setzen - neben Bargeld oder bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten. Denn Bargeld allein ist im Fall eines Verlustes oder Diebstahls "unwiederbringlich verloren", sagt Topar. Sie empfiehlt neben der Girokarte auch eine Kreditkarte mitzunehmen - und ein bisschen Bargeld für unterwegs. "Die Devise ist: So wenig Bargeld wie möglich, so viel wie nötig", betont die Bankenvertreterin.

Bank informieren: Stellt eine Bank auffällige Kontobewegungen eines Kunden im Ausland fest, wird sie unter Umständen die Karte sperren. "Dies dient der Sicherheit der Kunden", erläutert Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Denn häufig sind es Betrüger, die mit gestohlenen oder duplizierten Karten im Ausland Geld abheben. Einige Geldinstitute setzen das Auslandslimit ihrer Kunden grundsätzlich auf Null, dann kann außerhalb Deutschlands kein Geld abgehoben werden. Noch vor Reiseantritt sollte daher jeder seine Bank über den anstehenden Urlaub informieren. Dann kann die Karte für den angegebenen Zeitraum freigeschaltet werden. Wer im Ausland ist und feststellt, dass seine Karte, die gestern noch funktioniert hat, heute gesperrt ist, sollte seine Bank anrufen und klarstellen, dass man selbst die Abhebungen tätigt - und nicht etwa Betrüger. "Dann wird die Karte sofort wieder freigeschaltet", erklärt Topar.

Mehrere Karten mitnehmen: Die ec-Karte von einst ist heute die Bankkarte mit Maestro-Logo oder V-Pay-Zeichen. Hiermit kann nur innerhalb Europas und in einigen Ländern wie der Türkei gezahlt oder Geld abgehoben werden. "Bei diesen Karten greift der Geldautomat ausschließlich auf den EMV-Chip und nicht auf den Magnetstreifen zu, um die Identifikation eines Kunden durchzuführen", erläutert Topar. In den meisten Ländern außerhalb Europas ist nach ihren Angaben die Technik noch auf den Magnetstreifen ausgerichtet. V-Pay-Karten sind daher dort nicht einsetzbar. "Im außereuropäischen Ausland sollten Reisende daher nicht auf die Karte mit V-Pay-Logo, sondern auf eine Kreditkarte vertrauen", sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW.

Im Zweifel Bankkarten sperren: Wurden Karten gestohlen, sollten sie umgehend gesperrt werden. Für die Kartensperre kann man die zentrale Rufnummer 0049 116 116 oder aber die Bank, bei der man Kunde ist, anrufen. Danach empfiehlt sich, eine Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei zu stellen. Wer Hilfe benötigt, kann sich an ein deutsches Konsulat oder an die deutsche Botschaft wenden. "In den Hauptreiseländern gibt es bei den deutschen Auslandsvertretungen auch außerhalb der normalen Dienstzeiten einen Bereitschaftsdienst für Notfälle", erklärt ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Eine deutsche Auslandsvertretung hilft nur in Ausnahmefällen mit Bargeld aus. "Der Betrag muss zurückgezahlt werden."

Blitzüberweisungen nutzen: Eine Möglichkeit, im Ausland wieder an Geld zu kommen, sind Blitzüberweisungen, die über Banken oder Dienstleister wie etwa Western Union, Postbank oder Moneygram getätigt werden. "Ein Bankkonto im Ausland ist hierfür nicht nötig", erläutert Scherfling. Das Verfahren läuft so: Ein Verwandter oder Freund zahlt Geld in einer deutschen Filiale ein und der Hilfesuchende holt den Betrag an der vorab vereinbarten Bank ab. Dazu legt er seinen Ausweis oder sofern auch dieses Dokument gestohlen wurde, einen Ersatzausweis von der deutschen Auslandsvertretung vor.

Wichtige Dokumente sichern: "Urlauber sollten unbedingt vor Reiseantritt von wichtigen Dokumenten wie Reisepass oder Personalausweis Kopien anfertigen und separat aufbewahren", rät der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Empfehlenswert vor Reiseantritt ist auch, die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu nutzen. Dazu gehört auch, sich über die Zahlungsmöglichkeiten vor Ort zu informieren. Außerdem wichtig: Urlauber sollten die Telefonnummer ihrer Bank notieren. Ebenfalls dabei sein sollte ein Zettel mit Adresse und Telefonnummer der deutschen Botschaft oder des Konsulats sowie mit der Konto- und Kreditkartennummer.