Die Sattelstörche sind die größten und farbenprächtigsten Störche überhaupt. Dem gelben Sattel auf ihrem schwarz-roten Schnabel verdanken sie ihren Namen. Weiß und kaum größer als ein Gänseei sind die Eier der anderthalb Meter großen Vögel. Am 15. Dezember kämpfte sich der erste Cottbuser Sattelstorch durch die Eierschale. "Schon einen Tag vorher hatte er mit uns kommuniziert", sagt Elke Wünsch, Reviertierpflegerin im Cottbuser Tierpark. Am 5. Januar schlüpfte dann der zweite Sattelstorch und wog am gestrigen Freitagmorgen immerhin schon 204 Gramm.

Wegen ihrer Pracht sind Sattelstörche mindestens seit dem Jahr 1871 in deutschen Tiergärten zu sehen, sagt der Cottbuser Tierparkdirektor Jens Kämmerling. 2003 kamen sie als Wildfänge von Afrika auch nach Cottbus. "Es dauert ein paar Jahre, bis ein Paar zueinanderfindet", sagt Kämmerling. Aber entscheidend geholfen hat dann wohl das neue Gehege. Vor anderthalb Jahren war es entwickelt worden, im Sommer 2012 wurde der kleine Teich fertig. Das Cottbuser Storchenpaar hatte nun mehr Rückzugsmöglichkeiten. Es kann fliegen und höher hinauf. Die angebotene feste Nestunterlage war ihnen nicht hoch genug. Sie begannen, sich etwas höher und geschützter ein eigenes Nest zu bauen. Doch als das am 12. November abstürzte, ging ein Ei kaputt. Schnell wurde dieses Nest wieder aufgerichtet und besser befestigt. Die Störche nahmen es wieder an.

Mit den Erfahrungen zu Luftfeuchte und Temperatur für die Eier, die die Cottbuser Tierpfleger schon bei den Marabus gesammelt hatten, wurden auch die zwei Sattelstorch-Eier erfolgreich ausgebrütet - ohne dass die Störchin auf ihnen saß. 30 bis 35 Tage dauert die Brutzeit - "diese Küken sind schneller als kleine Marabus", erzählt die Tierpflegerin Claudia Künzel. Während das Sattelstorchpaar den Schnee erkundet und durch den Teich läuft, Kälte kennen sie aus afrikanischen Nächten, haben die Küken es noch bis zu 30 Grad warm. In zwei Wasserschälchen hat Claudia Künzel Rattenbabys und Rotfederchen gelegt. "Mit Mäusebabys hatten wir angefangen", erzählt sie. Der Jüngste sei aufgeweckt und frech, obwohl er noch viel schlafe. Der Erstling, der es mit seinen Fischmahlzeiten inzwischen auf 2000 Gramm gebracht hat, sitzt ruhig auf den bunten Handtüchern in seiner großen Kiste. "Einige Male stand er auch schon mit durchgedrückten Beinen", sagt Tierparkdirektor Kämmerling. Mit den ersten kräftigen Sonnenstrahlen sollen die Jungtiere das erste Mal ins Außengehege gesetzt werden.

Mehrere Glückwünsche von den Kollegen seien schon gekommen. Ein tschechischer Tierpark steht kurz vorm Zuchterfolg. Und eine zweite Sattelstörchin, die den Cottbusern gehört, hilft derzeit in einem ungarischen Zoo. Die ersten fünf Zuchterfolge der afrikanischen Störche in Tierparks wurden übrigens in Amerika registriert.