"Man bekommt Angstzustände auf dieser Autobahn."
 Fernfahrer Peter M.


"Gerade bei den Lastwagen sind die Abstände oft der blanke Horror", erzählt Hauf von der Autobahnpolizei Börde, "Fünf Meter sind da keine Seltenheit. Da ist der Unfall fast programmiert." Der fehlende Abstand ist die häufigste Unfallursache. "Da hat man einfach keine Chance mehr zu bremsen", sagt Hauf. Erst am Vortag mussten die Beamten sich entscheiden, welchen Abstands-Sünder sie herauspicken. Der andere hat Glück gehabt. Der Italiener dagegen muss nun zahlen: 70 Euro bar auf die Hand der Polizisten. Sein gefährliches Manöver wurde auf Video aufgenommen. Gerade mal 20 Meter Abstand ließ er zu seinem Vordermann - 50 Meter müssten es sein.
Seit dem dreispurigen Ausbau der A 2 vor rund acht Jahren hat der Verkehr hier stark zugenommen. Davor galt die Strecke zwischen Magdeburg und Helmstedt als eine der gefährlichsten Straßen Deutschlands. Autofahrer und Polizei sprachen von der "To-desstrecke". Heute sind hier täglich bis zu 80 000 Fahrzeuge unterwegs, 27 Millionen sind es im Jahr. Im ersten Halbjahr 2008 gab es rund 650 Unfälle und rund 70 Verletzte.
Polizeioberkommissar Johannes Stoye will trotzdem nicht von einer besonders gefährlichen Strecke sprechen. Er und seine Kollegen vom Autobahnrevier haben das 85 Kilometer lange Teilstück in Sachsen-Anhalt im Blick. Gemessen am starken Verkehr seien die Unfall- und Opferzahlen auf der A 2 nicht besonders hoch, sagt Stoye. Ähnlich sieht das der ADAC. "Die Unfalllage westlich von Hannover ist wesentlich dramatischer", sagt ADAC-Sprecher Roman Mölling, "die Teile in Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind nicht unsere Sorgenkinder".
Trotzdem fahren die Lastwagen auf der "längsten Transportbahn Europas", wie Mölling sie nennt, dicht an dicht, und der Brummi-Verkehr nimmt immer weiter zu, bereits jetzt macht er 30 Prozent des Verkehrs aus. Vor allem viele Transporter aus Russland und Polen sind unterwegs, weshalb die Straße auch als "Warschauer Allee" bezeichnet wird.
"Man bekommt Angstzustände auf dieser Autobahn", klagt Fernfahrer Peter M. Der 32-Jährige ist oft auf der A 2 unterwegs. Bei Bier und Würstchen sitzt er im Rasthof Uhrsleben und erzählt: "Man versucht ja, die Abstände einzuhalten, aber das geht kaum. Der nächste überholt dich oder ein Auto fährt dir einfach in deinen Sicherheitsabstand rein." Kollege André P. ruft dazwischen: "Von Hannover bis Magdeburg ist das Grauen. Viele fahren so dicht ran, die putzen dir das Nummernschild." Viele Fernfahrer würden die Autobahn mittlerweile meiden und auf andere Strecken ausweichen. "Das erste was du hörst, wenn du das Radio anschaltest ist: Unfall auf der A 2. Ich krieg hier regelmäßig die Krise", sagt Peter M.
Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es auf der A 2 in Sachsen-Anhalt nicht. Dafür ein elektronisches Verkehrsleitsystem, das die Verkehrsdichte erfasst und automatisch Überholverbote und Geschwindigkeitshöchstgrenzen anzeigt. Das System war auch eingeschaltet, als ein Autotransporter am 20. Juni auf ein Stauende raste. Geholfen hat es nichts. Drei Menschen starben. Gleich fünf waren es bei einem Unfall am 14. Juli.