Jürgen Braun, der nur einen Steinwurf weit vom Spremberger Bahnhof entfernt wohnt, reist oft und gern mit dem Zug: zum Theaterbesuch nach Cottbus, zum Sohn nach Berlin oder zu Ausflugszielen in Sachsen. "Das ist meist problemlos und sehr entspannt", sagt er. Doch seit kurzem ärgert sich der 73-Jährige über neue Entscheidungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Dieser will nämlich den Fahrscheinverkauf im Zug eindämmen. Seit ein paar Wochen informieren die Kundenbetreuer der ODEG die Passagiere darüber, dass künftig im Zug keine Fahrscheine mehr verkauft werden dürfen, wenn der Kunde vor Antritt seiner Reise am Abfahrtsort die Gelegenheit gehabt hätte, eine Fahrkarte zu erwerben.

"Dagegen ist ja prinzipiell auch nichts zu sagen, wenn dadurch nicht einige merkwürdige Ungerechtigkeiten bei den Ticketpreisen zutage treten würden", moniert Jürgen Braun. Er nutzt gemeinsam mit seiner Frau häufig das Brandenburg-Berlin-Ticket zum Preis von 29 Euro. Das konnte er genau zu dieser Summe bisher auch im Zug kaufen. Künftig soll er diesen Fahrschein vor Antritt der Fahrt nun aber in der Reiseagentur am Bahnhof lösen, wo er dann "mit Beratung" 31 Euro bezahlen muss. Eine Nachlösung des Fahrscheins im Zug wurde ihm vom VBB zum Preis von 31,90 Euro in Aussicht gestellt. Am Fahrkartenautomaten würde das gleiche Ticket jedoch zum Preis von 29 Euro zu haben sein. "Aber einen Automaten gibt es ja in Spremberg bekanntlich nicht. Also habe ich in Spremberg quasi gar keine Möglichkeit, das 29-Euro-Länder ticket auch für diesen Preis zu erwerben", kritisiert der Rentner. Noch verrückter wird es allerdings, wenn Jürgen Braun am nächsten Haltepunkt in Bagenz einsteigen würde. Dann müsste ihm der Schaffner ein Länderticket für 29 Euro verkaufen - weil es in Bagenz keinen Automaten und auch keine Reiseagentur gibt - also gar keine Möglichkeit zum Fahrkartenerwerb. Dann fallen auch keine Aufpreise an. Ähnlich wäre es, wenn Jürgen Braun nachts - außerhalb der Öffnungszeiten des Spremberger Fahrkartenschalters - in den Zug einsteigt…

Elke Krokowski, Pressesprecherin des Verkehrsverbundes VBB, bestätigt, dass die strengeren Regelungen beim Fahrscheinverkauf im Zug durchgesetzt werden sollen. Man wolle damit das Schwarzfahren eingrenzen. "Denn nicht wenige Fahrgäste kaufen erst einen Fahrschein, wenn der Kundenbetreuer schon vor ihnen steht", so Elke Krokowski. Dass es beim Brandenburg-Berlin-Länderticket, ein Produkt der Deutschen Bahn, komplizierter ist, räumt sie ein. "Das Aufstellen eines Fahrkartenautomaten in Spremberg ist jedoch definitiv nicht vorgesehen. Die Kosten für Anschaffung und Betrieb stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen", sagt sie.

Beim Beförderungsunternehmen ODEG, das die Bahnstrecke zwischen Görlitz und Berlin über Spremberg betreibt, hat man für Passagiere zunächst eine Übergangsphase zum Ticketkauf im Zug eingeräumt.

"Für die Fahrgäste ist das sicher erstmal verwirrend", sagt Scarlett Büssow, Leiterin Vertrieb bei der ODEG. Erst recht, weil kurz hinter Spremberg der sächsische Verkehrsverbund ZVON beginnt und dieser Tickets auch ohne Bordpreis im Zug verkaufen lässt. "Einheitliche Regelungen fehlen noch", so Büssow