Jagdhornklänge begrüßten die Helfer vor dem Schloss. Vorangegangen waren einige bange Minuten, doch die Windböen hatten sich rechtzeitig gelegt. "Bei Regen und Schnee können wir arbeiten, aber starker Wind gefährdet die Sicherheit", erläutere Parkleiter Claudius Wecke. Auch eine große Zahl von Freunden des Pücklerschen Erbes hatte sich eingefunden. Obwohl durch den parallelen Frühjahrsputz überall in der Stadt bewährte Mitstreiter fehlten.

Schießbahn erneuern

Nachdem in den Vorjahren der Eingangsbereich am Branitzer Ortskern von Wildwuchs befreit und neu gestaltet wurde, stand 2012 die Wiedergewinnung einer scheinbar verloren Anlage auf dem Programm. Schon seit Jahrzehnten ist die einstige Schießanlage des Fürsten auf den Karten nicht mehr verzeichnet. Nach alten Plänen wurde sie lokalisiert und sollte für den anvisierten Welterbetitel wiederhergestellt werden.

Die Parkgärtner hatten bei der Suche auch die Fundamente der Schutzmauer entdeckt. Hinter ihr fanden einst die Zieler genannten Helfer Deckung, um nach den Schüssen die Ergebnisse zu signalisierten, Scheiben umzudrehen oder neu bestücken zu können.

Schritt für Schritt stellten die Helfer zuerst die 115 Meter lange Büchsenschießbahn wieder her. Dafür wurden auch mehrere kleine Bäume gefällt und Sträucher gerodet. Der Kugelfang wurde schon zuvor erhöht.

Ein langes Erdband

Seiner Idee von den Sichtachsen folgend hatte der Fürst die Anlage zwischen Bäumen eingebettet. Sorgfältig prüften Parkgärtner im Vorfeld den Bewuchs der Ränder und markierten Pflanzstellen. "Wo sich Lücken im Kronendach öffnen, setzen wir in den Randzonen Sträucher, die dann auch eine Chance haben, sich zu entwickeln", erläuterte Claudius Wecke. "Wo das Baumdach geschlossen ist, unterbleiben Pflanzungen."

Am Samstag markierte eine lange schwarze Erdschicht auf nivelliertem und geglättetem Untergrund die Büchsenschießbahn. Dort wird in den nächsten Tagen noch Gras eingesät, dafür war es am Samstag zu nass.

Parallel wurde die vom zentralen Punkt, an dem einst Pücklers Schießzelt stand, nach rechts abzweigende Pistolenschießbahn hergerichtet. Linkerhand wurde die Vogelschießanlage für Armbrüste gestaltet. Sträucher kamen in den Boden. Mit Schubkarren wurden große Mengen Rindenmulch zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen transportiert. Erst als die letzte Schaufel voll verteilt war, nahmen sich die Helfer die Zeit, den Höhepunkt des Einsatzes zu verfolgen.

Kurzfristig hatten die Parkgärtner entschieden, am Samstag die Vogelstange aufzustellen. Ein Stamm wurde geschält und eingegraben. Das Team hatte eine Adlerscheibe gefertigt, die an der Spitze installiert wurde.

Während der Ausrichtung in luftiger Höhe gab es am Boden eine kleine Diskussion. Ist es ein sächsischer Adler? Natürlich nicht. Ein preußischer auch nicht aber ein schlesischer? Die Antwort lautete kurz und pragmatisch: Es ist ein Branitzer Adler. Allerdings ist er nicht so prunkvoll wie sein Vorgänger. Statt des aus einer Holzscheibe ausgesägten, schwarz, gold und blau bemalten Vogels legten der Fürst und seine Gäste auf ein dreidimensionales Exemplar mit abschießbaren Teilen an. Auch der Pfahl war in den Farben des Fürsten bemalt. Ob eine Annäherung an das Original erfolgt, ist offen.

Steige hoch

Nach dem Befestigen wurde das neue Parkelement durch die Jagdhornbläser mit der Brandenburghymne begrüßt, natürlich mit der neuen Zeile "Steige hoch du schwarzer Adler".