Über die Region hinausKißro vermittelte in seinem Vortrag einen Überblick über die verfügbaren Quellen, die Aufschluss über die Besiedlung des Territoriums im 12. und 13. Jahrhundert geben können. Seine Herangehensweise ist es, dabei nicht allein die engere Heimat einzubeziehen, sondern auch auf die benachbarte Region zu blicken. Kißro verwies auf die zu jener Zeit bestehenden Territorialherrschaften der Markgrafen von Meißen, der Bischöfe von Naumburg und der dem böhmischen Königreich unterstehenden Markgrafen der Oberlausitz, die im und um den Schraden herum durch ihre ritterlichen Lehnsträger etabliert waren. Gemeinsam mit kirchengeschichtlichen Aspekten, neuen Erkenntnissen der Dendrochronologie (Altersbestimmung erhaltener Bauhölzer) und urkundlichen Ersterwähnungen der Städte und Siedlungen fügen sich die einzelnen Fakten wie ein Puzzle zu einem Bild zusammen: Für Kißro ist es klar, dass die Flusslinien der Schwarzen Elster, der Röder und der Pulsnitz die Adern sind, an denen entlang sich die Besiedlung der Region vollzog. Wo Handelswege, die zu einem europaweiten Netz gehörten, diese Flüsse kreuzten, waren zunächst kleine Stützpunkte von Händlern und Kaufleuten entstanden - hierfür sprechen aus Sicht des Ortranders die den Schutzheiligen der Pilger und Kaufleute, St. Jakob und St. Nikolai, geweihten Kirchen in den Städten des Untersuchungsgebietes. An diesen frühen Stützpunkten ließen später im Zuge des Landesausbaus die Landesherren oder ihre Lehnsleute Burgen errichten und von bäuerlichen Siedlern Dörfer anlegen. Dies wiederum ließ die Bedeutung der Handelspunkte wachsen, die sich zu regionalen Markt- und Handwerkszentren entwickelten und mit städtischen Rechten und Privilegien ausgestattet wurden.Zuerst war der HandelKißros auf diese Weise unterstrichene Aussage: "Zuerst war der Handel", wirft ein neues Licht auf die Siedlungsgeschichte der Region, in der in der Vergangenheit meist der Bau von grenzsichernden Burgen an den Beginn gesetzt wurde. Mit älteren Gewissheiten bricht der Heimatforscher auch, wenn es um die Richtung geht, aus der die Besiedlung vorangetrieben wurde: Elster, Pulsnitz und Röder entspringen in der Oberlausitz, einem uralten Siedlungsgebiet. Von dort her schob sich Kißro zufolge der mittelalterliche Landesausbau voran und nicht nur aus dem ebenfalls alten Siedlungsgebiet westlich der Elbe. Das Elbe-Elster-Land wurde folglich aus zwei Richtungen, von Westen und Südosten her, erschlossen.Anlässlich des Schradenjubiläums sollen in den nächsten Monaten weitere Vorträge zur Siedlungsgeschichte der Region zu hören sein. Höhepunkt ist eine Tagung am 27. November in Ortrand, zu der namhafte Referenten erwartet werden. Betrachtet werden soll dabei vor allem der Raum im Dreieck Mühlberg, Doberlug und Ortrand. Unter anderem ist der bekannte Namenforscher Prof. Jürgen Udolph eingeladen worden. Karsten Bär