Nach Angaben der Cottbuser Polizei saßen die Eltern gegen 22 Uhr bei einer Familienfeier im Garten ihres Hauses im Cottbuser Ortsteil Saspow, als das tragische Unglück passierte. ,,Sie hatten den Kinderwagen nach ersten Erkenntnissen nur für kurze Zeit unbeaufsichtigt gelassen", erklärt der Cottbuser Polizeisprecher Berndt Fleischer. ,,Plötzlich fanden sie den Wagen umgestürzt vor, den Familienhund mit dem Kind daneben." Zwar sei der Notarzt sofort alarmiert worden - doch im Cottbuser Krankenhaus konnte nur noch der Tod des Mädchens festgestellt werden.

Wie der Direktor des Cottbuser Amtsgerichts, Wolfgang Rupieper, am Sonntag auf RUNDSCHAU-Nachfrage mitteilt, wird der Ausgang der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft davon abhängen, wie lange genau das Kind ohne Aufsicht blieb - und wie sich der Hund in der Vergangenheit verhalten hat. ,,Grundsätzlich ist Eltern ja kein Vorwurf zu machen, wenn sie ihr Kind nur eine bis zwei Minuten aus den Augen lassen", sagt Rupieper. ,,Es muss allerdings auch geprüft werden, ob der Hund früher schon ähnliche Angriffe unternommen hat." Am heutigen Montag findet nach Auskunft von Berndt Fleischer die gerichtsmedizinische Obduktion des Kindes statt, in deren Rahmen die genaue Todesursache festgestellt wird.

Der Husky-Schäferhund-Mischling befindet sich seit der Nacht zum Sonntag im Cottbuser Tierheim in befristeter Isolierung, von Fachleuten als Quarantäne bezeichnet. Der Zwinger ist ungefähr 25 Quadratmeter groß.

Das Tier muss trotz des Unglücks nicht zwangsläufig eingeschläfert werden - dies stellt Amtsgerichts-Direktor Rupieper klar: ,,Auch hier wird die Entscheidung davon abhängen, ob der Hund schon einmal auffällig geworden ist."

Auch Hans-Ulrich Hausten von der Interessengemeinschaft ,,Pro Hund" gibt zu bedenken: ,,So furchtbar schrecklich dieser Vorfall auch für die Familie ist - im Grunde gilt ein Husky-Schäferhund-Mischling nicht als aggressives Tier, wenn er unter artgerechten Umständen gehalten wird." Zu diesen Umständen zählen nach Haustens Worten zehn bis 20 Kilometer täglicher Auslauf. ,,Schließlich ist der Husky grundsätzlich für das Ziehen von Schlitten gezüchtet worden", sagt Hans-Ulrich Hausten. ,,Auch der Schäferhund ist eine leichte und schnelle Rasse, die viel Bewegung benötigt." Diese Bedingungen für die vernünftige Hundehaltung seien in der jüngeren Vergangenheit von etlichen Cottbusern ignoriert worden - da es offenbar in Mode gekommen war, Huskys zu einem geringen Preis aus Ungarn einzuführen. ,,Ich weiß von Fällen, in denen Huskys in Cottbus tagsüber bis zum Abend in Wohnungen eingesperrt waren, während die Besitzer ihrer Arbeit nachgingen", sagt Hausten. ,,Da muss man sich nicht wundern, dass manche Tiere verhaltensauffällig werden." Anlässlich des Saspower Unglücks könne er aber nur sein tiefes Bedauern gegenüber der betroffenen Familie ausdrücken. ,,Ich haltes es sogar für möglich, dass der Hund dem Baby nur helfen wollte, als es aus dem Kinderwagen gefallen war - diese Tiere entwickeln bei artgerechter Haltung durchaus einen Beschützerinstinkt, der sich in solchen Fällen auch in sein Gegenteil verkehren kann." Auch Polizeisprecher Berndt Fleischer hält Spekulationen über den Hintergrund der Attacke des Hundes derzeit für sinnlos: ,,Wir wissen schließlich nicht genau, wie es zu dem Angriff kam."

Auch in anderen Orten der Lausitz war es in der Vergangenheit zu folgenschweren Angriffen durch Hunde auf Kinder gekommen: So biss im Jahr 2004 in Calau ein Hund einem zwölfjährigen Jungen in den Kopf, wodurch dieser schwere Verletzungen an einem Auge und der Wange erlitt und einer Notoperation unterzogen wurde.