Sein linker Arm weist in Richtung des Himmels in südlicher Richtung. Genau 100 Stufen werden die Besucher ab Mitte des Jahres 2012 erklimmen müssen, um in einer Höhe von 19 Metern von einer fünf mal zweieinhalb Meter umfassenden Plattform die Aussicht in den Tagebau Welzow-Süd zu haben.

Derzeit ist von dieser bundesweit wohl einzigartigen Treppe im Rahmen des Großvorhabens mit der sperrigen Bezeichnung „Touristische Entwicklung des nördlichen Randes des Tagebaus Welzow-Süd“ noch wenig zu sehen. Der stählerne Aussichtsturm, der bislang nur in den Unterlagen der Planer existiert, soll von seiner Form her sowohl einen Dinosaurier als auch eine Förderbrücke verkörpern. „Damit wird ein Bogen von der Entstehungszeit der Lausitzer Braunkohle bis zu ihrem Abbau geschlagen“, erklärt Bernd Kleinichen. Finanziert werde das Vorhaben durch das Bergbauunternehmen Vattenfall Europe.

Seinen Angaben zufolge ist für dieses Jahr noch die Einbringung des Fundamentes geplant. Dabei müssen die Bauleute äußerste Vorsicht walten lassen. Schließlich darf die unmittelbar daneben befindliche Linde keinesfalls beschädigt werden. Der Baum wächst nach Angaben des Steinitzer Ortschronisten Klaus Duve seit rund 250 Jahren auf diesem höchsten Punkt der Steinitzer Alpen, eines landschaftlich reizvollen Endmoränenzuges. Dieser schwingt sich bis in eine Höhe von 150 Metern über Normalnull auf. In Kombination mit der Treppe wird sich zukünftig aus 170 Meter Höhe ein einzigartiges 360-Grad-Landschaftspanorama genießen lassen. Der Blick reicht dann laut Kleinichen von Cottbus bis weit hinter den Tagebau. Und dieser sei in allen Facetten einsehbar und zwar von der Vorfeldberäumung über den aktiven Kohleabbau bis hin zur Rekultivierung. Der künstlich aufgeschüttete Wolkenberg ist nur einen Steinwurf entfernt.

Immerhin steht bereits am künftigen Fuß der Treppe das Geräte- und Sanitärhäuschen. Inzwischen liegen alle Medien an. Um den Aufwand gering zu halten, wird das Wasser per Tank vorgehalten. Laut Architektin Renate Brückner erfolgt Ende Oktober die Asphaltierung der Zufahrt von der Tagebaurandstraße. Diese sei nach der Eröffnung der Steinitzer Treppe neben Rettungskräften den Behinderten vorbehalten. Diese könnten mit ihren Fahrzeugen fast direkt an den Aussichtspunkt heranfahren. Mittels Schrägaufzuges sei die Treppe auch für körperlich beeinträchtigte Menschen unkompliziert erreichbar.

Der Hauptparkplatz für Jedermann ist bereits fertiggestellt. Dieser befindet sich nahe der fast vollendeten Begegnungsstätte Steinitzhof. Von dort laufen die Besucher durch den Mischwald zur Treppe hinauf.

Bernd Kleinichen zählt bereits jetzt schon rund 5000 Touristen pro Jahr in Steinitz. Wenn die Aussichtstreppe und weitere Attraktionen eröffnet sind, könnte sich diese Zahl allmählich um das Vierfache erhöhen. Um die Bewirtschaftungskosten bezahlen zu können, werde für den Aufstieg ein Obolus erhoben.

Und ein Besuch in Steinitz dürfte mittelfristig für jeden Lausitz-Touristen zu einem „Muss“ avancieren. Neben der außergewöhnlichen Treppe entsteht ein Findlingslabyrinth mit insgesamt 80 000 Relikten der Eiszeit. Etwa 30 000 Steine werden bereits vor Ort vorgelagert. Schon am 15. Dezember wird das sozialkulturelle Integrationsprojekt Steinitzhof eröffnet. In dieses sind insbesondere behinderte Menschen eingeladen. Sie können sich mittels modernster Technik die Geschichte und Gegenwart der Region erschließen.