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Das SANA Herzzentrum Cottbus informiert...
Wie Kunstherzen Menschen das Leben retten

 Patientenversorgung ist Teamleistung: Prof. Dr. Dirk Fritzsche im Gespräch mit Assistenzärztin Anästhesie Milena Ristovojevic und Assistenzarzt Herzchirurgie Takayuki Gyoten. Nach einer erfolgreichen Implantation eines Herzunterstützungssystems werden die Patienten im Sana-Herzzentrum Cottbus intensiv von ihm und seinem Team betreut.
Patientenversorgung ist Teamleistung: Prof. Dr. Dirk Fritzsche im Gespräch mit Assistenzärztin Anästhesie Milena Ristovojevic und Assistenzarzt Herzchirurgie Takayuki Gyoten. Nach einer erfolgreichen Implantation eines Herzunterstützungssystems werden die Patienten im Sana-Herzzentrum Cottbus intensiv von ihm und seinem Team betreut. FOTO: Harry Mueller
Das Herz: 100.000 Mal am Tag pumpt es das Blut durch unseren Körper. Es versorgt jede noch so winzige Stelle eines Menschen mit Blut und hält uns am Leben. Doch was, wenn der faustgroße Muskel plötzlich zu schwach wird? Prof. Dr. Dirk Fritzsche, Chefarzt der Herzchirurgie und ärztlicher Direktor im Sana-Herzzentrum Cottbus, erklärt, wie Kunstherzen Leben retten können.

Prof. Fritzsche, wie kommt es dazu, dass Herzen zu schwach werden, um Menschen am Leben zu halten?

Ist das Herz zu schwach, die vom Körper benötigte Menge an sauerstoffgesättigtem Blut zu fördern, sprechen wir von einer Herzinsuffizienz. Die Ursachen für diese krankhafte Veränderung des Herzens sind dabei vielfältig. Sie tritt akut durch krankhafte plötzliche Veränderungen des Herzens wie in der Folge eines Herzinfarktes, aber auch chronisch im Verlauf von Monaten und Jahren auf. Oft liegen eine koronare Herzkrankheit, verkalkte oder undichte Herzklappen oder Herzmuskelentzündungen als Grunderkrankungen zugrunde.

Wie häufig kommt eine Herzinsuffizienz heute überhaupt noch vor?

In Europa leiden mehr als 10 Millionen Menschen an einer Herzschwäche, weitere geschätzte 10 Millionen Menschen sind betroffen, ohne bislang Beschwerden zu verspüren. Aktuell leben in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz. Sie ist seit Längerem schon eine der häufigsten Diagnosen von Patienten, die einer stationären Krankenhausbehandlung bedürfen.

Woran kann ich bemerken, dass ich an einer Herzinsuffizienz leide?

Allgemeine Symptome einer Herzinsuffizienz sind häufig verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Außerdem treten Symptome wie Husten, Atemnot bei leichter bis schwerer Belastung und Wassereinlagerungen im Gewebe auf. Wer solche Symptome feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen, denn mit einer unbehandelten Herzschwäche hat man oftmals eine kürzere Lebenserwartung als mit einer Krebserkrankung.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Das ist stark abhängig vom Krankheitsverlauf. Es gibt unterschiedliche Therapieoptionen, die entweder allein oder aber in Kombination zum Einsatz kommen. Zunächst kann die Behandlung mit Medikamenten erfolgversprechend sein. Je nach Ursache wird sie kombiniert mit der Implantation eines Herzschrittmachers oder eines Defibrillators. Schreitet die Erkrankung voran und ist mit diesen Mitteln nicht mehr behandelbar, liegt eine Herzschwäche im Endstadium vor und das Herz muss ersetzt werden.

Das bedeutet, dass Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz früher oder später ein Spenderherz benötigen?

Ja und nein. Viel zu wenigen Spenderherzen stehen viel zu viele herzinsuffiziente Patienten gegenüber, deren Herzschwäche so stark ausgeprägt ist, dass eine Versorgung dringend notwendig ist. In Deutschland sind im vergangenen Jahr 318 Herzen transplantiert worden. Für Patienten, für die kein Spenderherz zur Verfügung steht, oder solche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht für eine Transplantation infrage kommen, sind mechanische Herzunterstützungssysteme die beste Therapieoption.

In welchen Fällen bekommen Patienten ein Herzunterstützungssystem?

Die Implantation von Herzunterstützungssystemen erfolgt heutzutage unter verschiedenen Zielsetzungen. Daher können sie zur Überbrückung der Wartezeit bis zu einer Transplantation, aber auch als vorübergehende oder dauerhafte Unterstützung eingesetzt werden.

Welche stehen zur Verfügung?

Bei Ventricular Assist Devices, also VAD, die das Herz unterstützen oder die Pumpfunktion vollständig übernehmen, unterscheidet man zwischen elektrisch angetriebenen und druckluftbetriebenen. Diese können implantiert werden oder außerhalb des Patienten lokalisiert sein. Am häufigsten werden derzeit elektrisch betriebene, kontinuierlich pumpende Systeme eingesetzt. Sie werden im Brustkorb mit dem Herzen verbunden, während das patienteneigene Herz im Körper verbleibt. In Abhängigkeit von der zu unterstützenden Herzkammer wird ein linksventrikuläres, LVAD, oder ein rechtsventrikuläres, RVAD, Unterstützungssystem implantiert. In Deutschland wurden im Jahr 2018 insgesamt 942 VAD implantiert. 903 dieser Implantationen erfolgten mit Unterstützungssystemen der linken Herzkammer.

Und wie funktionieren diese?

Das System übernimmt die Aufgabe der linken Herzkammer. Über ein Kunststoffrohr wird das Blut von dort in das Kunstherz geleitet und über ein weiteres Kunststoffrohr in die Hauptschlagader gepumpt. Früher musste die Technik außerhalb des Körpers getragen werden, mittlerweile passt die künstliche Pumpe mit integriertem Elektromotor und den beiden Leitungen in eine Hand und wird direkt in die linke Herzkammer eingesetzt. Ein Kabel führt durch die Bauchdecke nach außen zu den externen Komponenten. Die Driveline überträgt den Strom und die Informationen zwischen der Herzpumpe im Inneren und dem Controller außerhalb. Er reguliert und kontrolliert die Pumpe im Körper. Beide Geräte müssen permanent mit Strom versorgt sein. In der Regel sind das Akkus, die aufgeladen werden und zusätzlich über ein Notstromaggregat verfügen.

Wie leben Patienten mit den LVAD?

Die nahezu geräuschlosen und leichten Medizingeräte haben die Lebensqualität in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Da die Batterien ohne Aufladung über einen Zeitraum von zwölf Stunden die notwendige Energie liefern, kann sich der Patient in seiner häuslichen Umgebung nahezu frei bewegen. Zur Person Prof. Dr. Dirk Fritzsche ist Chefarzt der Herzchirurgie und Ärztlicher Direktor im Sana-Herzzentrum Cottbus. In seiner Geburtsstadt Leipzig studierte er Medizin. 2009 erhielt er eine außerordentliche Professur an der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum. Bevor er 2010 nach Cottbus kam, war er 14 Jahre lang in leitender Funktion am Herz- und Diabeteszentrum NRW tätig.

Können Komplikationen auftreten?

Die Therapie mit einem VAD ist nicht immer komplikationslos. Es kann zum Beispiel an der Ausleitungsstelle des Stromkabels über die Haut zu Infektionen kommen. Dadurch besteht die Gefahr, der Infektionsausbreitung, im schlimmsten Fall bis zum Unterstützungssystem.

Ist diese Komplikation vermeidbar?

Nach aktuellem Stand der Technik nicht, aber die VAD werden ständig weiterentwickelt. Vielleicht implantieren wir bald Systeme, die eine Energieübertragung über die Haut wie bei einer Induktionsladung ermöglichen. Das würde sicher zu einer Reduktion von Infektionen führen.

Wenn Unterstützungssysteme temporär eingesetzt werden, wie viele Herztransplantationen finden im Sana-Herzzentrum Cottbus statt?

Keine. Patienten, die trotz VAD Versorgung eine Transplantation benötigen, verlegen wir in darauf spezialisierte Kliniken. Transplantationen sind klassische Zentrumsaufgabe. Patienten mit einem LVAD werden nicht mehr als high urgent auf der Liste für eine Herztransplantation geführt, sondern als „transplantierbar“. De facto ist die Versorgung für die meisten Patienten eine Dauertherapie.

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